Merck Nachhaltigkeitsbericht 2021

Klimaschutz

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Der Klimawandel ist eine der großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. 2015 haben sich 195 Staaten das Ziel gesetzt, den globalen Temperaturanstieg deutlich zu begrenzen. Auch unser Anspruch ist es, den Klimawandel einzudämmen. Denn: Langfristig werden sich Klimaschutz und Energieeffizienz auszahlen – für unsere Umwelt und unser Geschäft.

Unser Beitrag zum Klimaschutz

Wir wollen unseren Beitrag zum Klimaschutz und dem Pariser Klimaschutzabkommen leisten. Daher haben wir uns im Jahr 2020 neue Ziele gesetzt:

Bis 2030 wollen wir unsere direkten (Scope 1) und indirekten (Scope 2) Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 2020 um 50 % reduzieren. Dieses Ziel wollen wir durch die Reduktion von prozessbedingten Emissionen, durch Energieeffizienzmaßnahmen sowie durch den verstärkten Zukauf von Strom aus erneuerbaren Quellen erreichen. Bis 2030 wollen wir 80 % unseres Stromeinkaufs aus erneuerbaren Quellen decken.

Darüber hinaus planen wir, unsere indirekten Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette (Scope 3) um 1.500 Kilotonnen CO2-Äquivalente (CO2eq) bis 2030 zu reduzieren. Bis 2040 wollen wir einen klimaneutralen Geschäftsbetrieb entlang der gesamten Wertschöpfungskette erreichen. Dieses Ziel umfasst sowohl Scope 1 und 2 als auch unsere Scope-3-Emissionen.

Im November 2021 beschloss unser Unternehmen, der „Science Based Targets Initiative“ beizutreten. Mit diesem Schritt verpflichten wir uns, die Ziele des Pariser Abkommens durch konkrete Maßnahmen zu erreichen.

Rollen und Verantwortlichkeiten

Die unternehmensweite Steuerung aller Klimaschutzmaßnahmen verantwortet „Corporate Sustainability, Quality and Trade Compliance“ (SQ). Unsere weltweiten Standorte und Geschäftseinheiten setzen die nötigen Maßnahmen jeweils vor Ort um. Weitere Informationen finden sich im Kapitel „Betrieblicher Umweltschutz".

Wozu wir uns verpflichten: Standards und gesetzliche Rahmenbedingungen

Unser konzernweit einheitliches Management von Energie und prozessbedingten Emissionen regeln wir durch drei EHS-Standards: „Energiemanagement“, „Emissionen“ und „Emissionen von Kältemitteln“. Die Einhaltung aller EHS-Standards prüfen wir stichprobenartig durch einen internen Auditprozess.

Außerdem unterliegen wir verschiedenen nationalen sowie internationalen energie- und klimabezogenen Rechtsvorschriften. Auf europäischer Ebene betrifft uns beispielsweise die EU-Energieeffizienzrichtlinie (RL 2012/27/EU). Sie schreibt vor, dass Unternehmen regelmäßig Energie-Audits durchführen oder alternativ ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 einrichten müssen. Unsere Standorte, die diesen Verpflichtungen unterliegen, sind für die Umsetzung verantwortlich. Sie werden durch interne oder externe Experten auditiert. 14 Standorte ließen sich bisher nach ISO 50001 zertifizieren.

Unser Unternehmen ist mit dem Heizkraftwerk Darmstadt und dem Heizwerk Gernsheim seit 2005 zur Teilnahme am EU-Emissionshandel verpflichtet. Die europäische Klima- und Energiepolitik bis zum Jahr 2030 ist darauf ausgelegt, die Ziele des Pariser Abkommens von 2015 zu erfüllen. Der EU-Emissionshandel ist ein wichtiges Instrument, um die Reduktion von Treibhausgasen zu erreichen. Der Rechtsrahmen für die vierte Handelsperiode des EU-Emissionshandels (2021-2030) wurde im April 2018 mit der überarbeiteten Emissionshandelsrichtlinie (2003/87/EG) aktualisiert. Damit verschärften sich die Regeln für eine kostenlose Zuteilung an CO2-Zertifikaten. Zukünftig werden wir daher vermehrt CO2-Zertifikate zukaufen müssen.

Emissionen gesenkt

Insgesamt stießen wir im Jahr 2021 rund 1.843.000 Tonnen an CO2-Äquivalenten (CO2eq) aus (2020: circa 2.028.000 Tonnen). Unsere direkten Emissionen (Scope 1) beliefen sich auf etwa 1.522.000 Tonnen CO2eq. Hiervon entstanden rund 1.261.000 Tonnen CO2eq prozessbedingt, der Rest stammt aus der Nutzung von Brennstoffen. Die indirekten Emissionen (Scope 2) lagen, berechnet nach der marktbasierten Methode, bei rund 321.000 Tonnen (circa 385.000 Tonnen nach der standortbasierten Methode, bei der erneuerbare Energiequellen nicht gesondert berücksichtigt werden). Die Intensität der Treibhausgasemissionen (Scope 1 und 2) betrug im Berichtszeitraum 0,09 Kilogramm CO2eq-Emissionen pro Euro Umsatz.

2020 und 2021 konzentrierten wir uns unter anderem darauf, mehr Transparenz über unsere Scope-3-Emissionen zu schaffen. Das „Greenhouse Gas Protocol (GHG)“ unterscheidet 15 Kategorien der Scope-3-Emissionen aus vor- und nachgelagerten Aktivitäten. Die gesamten Scope-3-Emissionen beliefen sich 2021 auf 5.716.000 Tonnen CO2eq; maßgeblich dabei sind die Kategorien 1 und 2 (Rohstoffe und Kapitalgüter). Ihr Anteil an den gesamten Scope-3-Emissionen betrug im gleichen Zeitraum 68 %.

Treibhausgasemissionen in Kilotonnen an CO2-Äquivalenten, Scope 1 und 21

(Scope 1 und Scope 2 des "Greenhouse Gas Protocol")

Treibhausgasemissionen, Scope 1 und 2 (in Kilotonnen) (Balkendiagramm)
1) Die Treibhausgasemissionen wurden in Übereinstimmung mit dem Greenhouse Gas Protocol für alle vorherigen Jahre auf die aktuelle Unternehmensstruktur zum 31.Dezember des Berichtsjahrs bezogen und bei Zukäufen und Verkäufen von Unternehmen/Unternehmensteilen oder der Änderung von Emissionsfaktoren rückwirkend angepasst (portfoliobereinigt).
2) Die Übernahme von Versum im Jahr 2019 erklärt den Anstieg der Treibhausgasemissionen ab 2020.

Treibhausgasemissionen 2021 in Kilotonnen an CO2-Äquivalenten, Scope 3

Treibhausgasemissionen, Scope 3 (Kreisdiagramm)

Reduktion prozessbedingter Emissionen

Mit der Integration des 2019 akquirierten Unternehmens Versum Materials in den Unternehmensbereich Electronics stiegen unsere prozessbedingten Emissionen stark an – hauptsächlich bei der Produktion spezieller Chemikalien für die Elektronikindustrie. 2021 setzten wir die Untersuchungen zu Reduktionsmaßnahmen fort, die wir im Vorjahr begonnen hatten. Dabei fanden wir neue Lösungen für die Prozessoptimierung und für die Abgasreinigung. Ein erstes Pilotprojekt zur thermischen Behandlung der Abgasströme starteten wir Ende 2020.

In unserem Unternehmensbereich Life Science verzeichnen wir prozessbedingte Emissionen vor allem durch die Freisetzung perfluorierter Kohlenwasserstoffe (PFC). Als Reaktion darauf haben wir bereits einige emissionsintensive Produktionslinien durch Anlagen ersetzt, die keine PFC emittieren.

Emissionsreduktion in der Lieferkette

Mehr Informationen zum „Supplier Decarbonisation Program“ finden sich im Kapitel „Nachhaltige Lieferkette“.

Transport auf Schiffe verlagern

Im Jahr 2019 hat unser Unternehmensbereichs Healthcare eine umfangreiche Umstellung der Transportmittel eingeleitet, die nicht nur unsere CO2-Emissionen, sondern auch unsere Logistikausgaben erheblich reduzieren soll. Im Rahmen der „Spezzatino“-Initiative senkten wir Treibhausgasemissionen, indem wir alle unsere Produkte, wo immer möglich, von Luft- auf Seetransport umstellten. Wir hatten uns das Ziel gesetzt, bis 2023 weniger als 10 % unserer Healthcare-Produkte auf dem Luftweg zu transportieren und damit unsere jährlichen CO2-Emissionen um 10.000 Tonnen zu reduzieren. Dieses Ziel haben wir bereits Ende 2021 erreicht und unsere transportbedingten Emissionen strukturell um 10.000 Tonnen CO2 reduziert.

Transparenz bei CO2-Emissionen und Energieverbrauch

Wir berichten jährlich an die Organisation CDP. Sie beurteilt, mit welcher Strategie Unternehmen Treibhausgasemission senken, wie erfolgreich sie dabei sind und wie sie Risiken und Folgen des Klimawandels minimieren. Die Bewertung erfolgt auf einer Skala, die von der Bestnote A bis D- reicht. Unser Ergebnis blieb im Jahr 2021 unverändert bei der Note B.

Klimaschonende Mobilität

Bis 2025 wollen wir unseren Fuhrpark vorwiegend auf emissionsärmere Antriebskonzepte umstellen. Unser Ziel ist es, die durchschnittlichen Emissionen unserer Fahrzeuge um rund 50 % im Vergleich zu 2020 zu senken. Mit dem Pilotprojekt „Green Fleet“ („Grüne Flotte“) wollen wir Ressourcen sparen und die Mitarbeiter der deutschen Standorte dabei unterstützen, auf Elektromobilität umzusteigen. Unsere Mitarbeiter können ihren Dienst- oder Abteilungswagen beziehungsweise ihr Privatauto an 66 Ladepunkten, verteilt auf sechs Standorte, in Deutschland aufladen. Die Zahl der Ladepunkte wollen wir bis 2022 verdoppeln. Auch in anderen Ländern stellen wir unseren Mitarbeitern Ladestationen zur Verfügung – etwa in Frankreich, Großbritannien, der Schweiz und den USA.

Für unterwegs gibt es das Angebot „Laden@road", durch das unsere Mitarbeiter ihre Firmen- und Privatfahrzeuge an rund 160.000 Stationen europaweit aufladen können.

Beim „Laden@home“ fördern wir in Deutschland seit April 2021 die Nutzung von Wandladestationen mit 1.700 € und übernehmen zudem die entstehenden Stromkosten.

Energieeffizienz

Durch unterschiedliche Energieeffizienzprojekte sparten wir an unserer Firmenzentrale in Darmstadt 2021 rund 1.700 Tonnen CO2eq ein. So rüsteten wir beispielsweise Heizsysteme, Belüftungs- und Klimaanlagen um; außerdem implementierten wir energiesparende Beleuchtungskonzepte.

Im Rahmen des Energie- und Wassereffizienzprogramms in unserem Unternehmensbereich Life Science führten wir 2021 neue Instrumente ein, anhand derer wir Projekte zur Einsparung von Energie und Wasser bewerten. Darüber hinaus bildeten wir 40 Mitarbeiter unserer internationalen Standorte im Energiemanagement fort.

Energieverbrauch leicht gestiegen

Wir verbrauchten 2021 insgesamt 2.454 Gigawattstunden Energie (2020: 2.374 GWh). Bezogen auf den Umsatz im Berichtszeitraum betrug unsere Energieintensität 0,12 Kilowattstunden pro Euro.

Einkauf von Strom aus erneuerbaren Quellen

Im Jahr 2021 konzentrierten wir uns noch stärker auf den Einkauf von Strom aus erneuerbaren Quellen. In diesem Zeitraum haben wir 30 % unseres eingekauften Stroms aus erneuerbaren Energien bezogen (2020: 27 %). Der Anteil der erneuerbaren Energien an unserem Gesamtenergieverbrauch betrug 13 %.

Im Jahr 2021 gaben wir unsere führende Rolle bei einer der weltweit größten käuferorganisierten Sammelbeschaffungen für Strom aus erneuerbaren Energien bekannt. Gemeinsam mit drei anderen Unternehmen unterzeichneten wir virtuelle Stromabnahmeverträge (Virtual Power Purchase Agreements, VPPAs) mit einer Laufzeit von 12 Jahren, die neue erneuerbare Energie ins Netz bringen. Der Bau des 350-Megawatt-Projekts Azure Sky Wind and Storage in den Vereinigten Staaten verläuft planmäßig; der kommerzielle Betrieb ist für April 2022 geplant. Von den 111 Megawatt Kapazität, die unser Käuferkonsortium erworben hat, haben wir 68 Megawatt abgenommen. Die Zertifikate für erneuerbare Energien, die wir im Rahmen dieser Vereinbarung erhalten haben, werden 65 % unseres gesamten Stromverbrauchs in allen Geschäftsbereichen in den USA decken. Ab 2021 werden wir auch den Strombedarf unserer brasilianischen Standorte vollständig durch erneuerbare Energien decken. Im Einklang mit unserer Strategie für erneuerbare Energien haben wir eine Bewertung der europäischen Märkte für Strom aus erneuerbaren Energien vorgenommen, um den besten Weg zu finden. Diese Bewertung wird unsere Strategie für die Beschaffung von Strom aus erneuerbaren Energien in den kommenden Jahren leiten.

Anreize für unsere Mitarbeiter

Wir motivieren unsere Mitarbeiter, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Informationen und Tipps stehen allen Beschäftigten im Intranet zur Verfügung. In unserem Newsletter berichten wir regelmäßig über konzernweite Klimaschutzmaßnahmen. Außerdem unterstützen wir Mitarbeiter, die sich klimaschonend fortbewegen möchten:

  • In unseren deutschen Tochtergesellschaften bieten wir Mitarbeitern, die freiwillig klimaschonende Dienstfahrzeuge wählen, einen Zuschuss von 150 € zur monatlichen Leasingrate an.
  • An unseren deutschen Standorten fördern wir die klimafreundliche Mobilität unserer Mitarbeiter zudem mit Leasingrädern. Sie können Fahrräder zu günstigen Tarifen gegen Entgeltumwandlung leasen („bike4me“).
CO2-Äquivalente
CO2-Äquivalente (CO2eq) beschreiben die relative Auswirkung von Emissionen zum Treibhauseffekt. Sie geben an, wie viel eine festgelegte Masse eines Treibhausgases zum Klimawandel beiträgt.
EHS
Environment, Health and Safety: Die Abkürzung beschreibt Umweltmanagement, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit in Betrieben.
ISO 50001
Diese internationale Norm legt weltweit anerkannte Anforderungen an ein Energiemanagementsystem fest.
Marktbasierte Methode
Marktbasierte Zahlen werden auf Basis von Emissionsfaktoren des Stromlieferanten für den dort eingekauften Strom berechnet.
Prozessbedingte Emissionen
Freisetzung von Treibhausgasen in die Atmosphäre im Rahmen der Produktherstellung.
Scope 1
Scope 1 umfasst Emissionen, die in unserem Unternehmen entstehen, beispielsweise bei der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen oder durch die Freisetzung von prozessbedingten Emissionen.
Scope 2
Scope 2 bezieht sich auf Emissionen aus zugekaufter Energie wie etwa Strom, Wärme, Dampf oder Kälte.
Scope 3
Unter Scope 3 fallen Treibhausgasemissionen, die außerhalb unserer direkten Tätigkeiten entstehen, beispielsweise bei der Herstellung und dem Transport von Rohstoffen und Produkten, bei der Abfallentsorgung oder durch die Geschäftsreisen von Mitarbeitern.
Standortbasierte Methode
Standortbasierte Zahlen werden auf Basis der durchschnittlichen Emissionsfaktoren des Gebiets, in dem der Stromverbrauch stattfindet, berechnet. Meist wird hier der Durchschnitt auf Länderebene herangezogen.
Treibhausgase
Treibhausgase sind Gase in der Atmosphäre, die zur globalen Erwärmung beitragen. Man unterscheidet zwischen natürlich vorkommenden Treibhausgasen sowie Treibhausgasen, die durch Menschen verursacht werden (zum Beispiel CO2-Emissionen durch die Verbrennung fossiler Energieträger).

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