Merck Nachhaltigkeitsbericht 2021

Nachhaltiges Lieferketten­management

TAG übersicht

Ergebnisse für

Unser Unternehmen bezieht zahlreiche Rohstoffe, Verpackungsmaterialien, technische Produkte, Komponenten und Dienstleistungen aus aller Welt. Unser Ziel ist es, für die Stabilität der Lieferkette zu sorgen und gleichzeitig unseren Kunden hochwertige Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können. Wir erwarten von unseren Lieferanten, dass sie unsere ethischen, sozialen und rechtlichen Standards einhalten und diese auch in ihren eigenen Lieferketten umsetzen.

Unser Ansatz zur nachhaltigen Beschaffung

Eines der Ziele unseres Lieferantenmanagements ist die Einhaltung grundlegender Umwelt- und Sozialstandards – neben hoher Qualität, zuverlässiger Lieferung und wettbewerbsfähigen Preisen. Wir haben entsprechende Strategien, Prozesse und Richtlinien eingeführt. Diese optimieren wir kontinuierlich, um Verstößen gegen Lieferkettenstandards vorzubeugen und unsere Nachhaltigkeitsleistung zu verbessern.

Der Bereich „Group Procurement“ arbeitet Hand in Hand mit unseren Lieferanten, um unsere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Wir streben nach Transparenz in all unseren Beschaffungsregionen und verankern Nachhaltigkeit in allen unseren Wertschöpfungsketten.

Um dies zu erreichen, haben wir zwei neue Kennzahlen festgelegt: Mit ihnen messen wir unseren Weg hin zu mehr Transparenz, indem wir die Nachhaltigkeitsleistung relevanter Lieferanten mit Hilfe gültiger Nachhaltigkeitsbewertungen überprüfen. Unsere Definition einer gültigen Nachhaltigkeitsbewertung umfasst Beurteilungen, die eine zuverlässige und anerkannte Quelle innerhalb der letzten drei Jahre durchgeführt hat. Relevante Lieferanten stehen entweder mit bestimmten Länder- und Branchenrisiken in Verbindung oder tragen zu einem Großteil (mindestens 50 %) unseres Beschaffungsvolumens bei. Für die Risikobewertung wenden wir Risikodaten von EcoVadis auf das fast vollständige Beschaffungsvolumen (98 %) an. Bei der Berechnung unseres Beschaffungsvolumens berücksichtigen wir einkaufsrelevante Lieferanten (ausgenommen sind beispielsweise Ausgaben wie Steuern und Zölle, sowie Abgaben und Mitgliedschaften). Wir messen mit zwei gleichermaßen gewichteten Kennzahlen: der Abdeckung bezüglich des Beschaffungsvolumens (2021: 65 %) und der Lieferantenanzahl (2021: 21 %).

Wir sehen unseren Ansatz für Nachhaltigkeit entlang der Lieferkette als einen Prozess und arbeiten fortlaufend daran, unsere Richtlinien und Prozesse zu verbessern und weiterzuentwickeln. Dabei achten wir darauf, dass alle gesetzlichen Anforderungen berücksichtigt und bei Bedarf geeignete Maßnahmen ergriffen werden. Zu diesem Zweck gründeten wir 2021 eine interne Arbeitsgruppe. Ihre Aufgabe ist es, die Einhaltung des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes sicherzustellen.

Lieferanten-Dekarbonisierungsprogramm

Wir wollen unsere Emissionen senken – im Einklang mit unserer Entscheidung, der Initiative „Science Based Targets“ beizutreten. Hierbei unterstützt uns unser Lieferanten-Dekarbonisierungsprogramm. Mithilfe dieses Programms wollen wir den Treibhausgasausstoß reduzieren, der mit von uns eingekauften Waren, Dienstleistungen und Investitionsgütern einhergeht.

Ein im Konzernbereich „Group Procurement“ angesiedeltes, funktionsübergreifendes Team ist für das Lieferanten-Dekarbonisierungsprogramm zuständig. Es definiert unsere Strategie und kümmert sich um die Umsetzung eines Zehnjahresplans. Darüber hinaus bieten wir Schulungsveranstaltungen sowie -materialien für die verantwortlichen Einkäufer und Einkaufsbereiche an. Nach und nach wollen wir auf unsere Lieferanten zugehen; die erste Zielgruppe erhielt von unserem „Chief Procurement Officer“ Informationen über unsere Ziele sowie einen Fragebogen zur Einschätzung ihres derzeitigen Dekarbonisierungsstatus. Die Lieferantendaten sammeln unsere Einkaufsmitarbeiter in einer weltweiten Datenbank.

Wir sind dabei, ein automatisiertes Tool zur CO2-Bilanzierung zu entwickeln, mit dem wir die großen Datenmengen über die CO2-Emissionen unserer Lieferanten verwalten können. Es soll Ende 2022 zur Verfügung stehen.

Weitere Informationen über unsere klimabezogenen Ziele sind hier zu finden.

Risikomanagementprozess

Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wählen wir unsere Lieferanten anhand von verschiedenen Kriterien aus – wie Länder-, Material- oder Lieferantenrisiken und deren strategische Bedeutung für unser Geschäft. So können unsere verantwortlichen Mitarbeiter im Einkauf geeignete Maßnahmen zur Risikominderung ausloten und die betreffenden Lieferanten bei Verbesserungen unterstützen. Der Ansatz für unsere strategischen Lieferanten, auf die etwa 53 % unserer Gesamtausgaben entfallen, umfasst die Identifizierung, Überwachung und Bewertung von Sicherheitsrisiken in der Lieferkette. Er besteht aus vier Hauptelementen:

  • Lieferantenrisikobewertung: zur Erfassung der übergreifenden Risiken auf Ebene des Lieferanten-Einzelunternehmens, einschließlich verschiedener Risikodomänen
  • Warnsystem: zur Benachrichtigung unserer Procurement-Einheit, wenn bei einem unserer Lieferanten ein Risiko oder ein Produktionsproblem entsteht
  • Materialrisikobewertungen: zur Erfassung der Risiken jener Materialien, die für unsere wichtigsten Endprodukte verwendet werden
  • Risk Response Tracker: zur Erarbeitung und Überwachung von Maßnahmen zur Risikominderung

Wir berechnen die Risikofaktoren für Lieferanten und Rohmaterialien, indem wir die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Risikos mit den Risikoauswirkungen multiplizieren. Für die Lieferantenbewertung berücksichtigen wir 29 Risikoarten, unter anderem „wirtschaftliche Freiheit“, „soziale Unruhen“, „unfaire Geschäftspraktiken“ und „schlechte Arbeitspraktiken“. Außerdem nahmen wir Kriterien auf, um Lieferanten zu identifizieren, die von wichtigen Nachhaltigkeitsrisiken etwa bei der Mineralienbeschaffung oder beim Tierschutz betroffen sind. Im Jahr 2021 entwickelten wir unsere Lieferantenrisikobewertung weiter: Wir konzentrierten uns auf die wichtigsten Risikoarten, was unseren Ansatz noch einmal schärfte.

Due-Diligence-Prozess für eine verantwortliche Mineralienbeschaffung

Wir beschaffen und verkaufen Produkte mit Bestandteilen, die für gewöhnlich unter dem Begriff „3TG“ zusammengefasst werden (Zinn, Wolfram, Tantal, Gold – allgemein auch als Konfliktmineralien bekannt). Mineralien können in Konflikt- und Hochrisikogebieten abgebaut, gehandelt, verarbeitet und exportiert werden. Dabei besteht das Risiko, dass sie aus Minen oder Schmelzereien stammen, die von bewaffneten, zu Menschenrechtsverletzungen beitragenden Milizen kontrolliert werden.

Unser übergeordnetes Ziel ist es, Materialien auf verantwortungsvolle und konfliktfreie Weise zu beschaffen, damit unsere Beschaffungstätigkeit keine nachteiligen Auswirkungen hervorruft. Aus diesem Grund entwickelten wir ein umfassendes Due-Diligence-Programm und entsprechende Praktiken zum Umgang mit Mineralien, die aus Konflikt- und Hochrisikogebieten stammen. Unser Programm entspricht maßgeblichen Gesetzen und internationalen Standards.

Die „Responsible Minerals Sourcing Charter“ bildet die Grundlage unseres Due-Diligence-Programms. Sie vermittelt den Lieferanten die Erwartungen unseres Unternehmens bezüglich einer verantwortungsvollen Mineralienbeschaffung und fördert diese. Wir arbeiten laufend daran, unsere Due-Diligence-Praktiken zu verbessern und eine konfliktfreie Beschaffung von „3TG“ sicherzustellen.

Unser Unternehmen ist in globalen, komplexen Lieferketten tätig: In vielen Fällen liegen mehrere Lieferantenebenen zwischen uns und den Herkunftsquellen der in unseren Produkten verwendeten Mineralien. Um dieser Komplexität zu begegnen, sind wir Mitglied der Responsible Minerals Initiative (RMI). Die RMI stellt uns verschiedene Instrumente und Ressourcen zur Verfügung: Durch sie können wir Beschaffungsentscheidungen treffen, die die Einhaltung von Vorschriften sicherstellen und die verantwortungsvolle Beschaffung von Mineralien aus Konflikt- und Hochrisikogebieten unterstützen. Um Schmelzereien und Raffinerien zu auditieren oder Arbeitsbedingungen sowie Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsfragen zu untersuchen, greift die RMI auf externe Prüfer zurück. Wenn wir von der RMI keine ausreichenden Informationen erhalten, ermitteln wir anhand weiterer Untersuchungen, ob ein angemessenes Due-Diligence-Niveau gewährleistet ist.

Rollen und Verantwortlichkeiten

Dem konzernweiten Bereich „Group Procurement“ obliegt es, die Nachhaltigkeitsanforderungen in die relevanten Phasen unserer Beschaffungs- und Lieferantenmanagementprozesse zu integrieren. Unser „Center of Excellence for Supply Security“ (Kompetenzzentrum für Lieferkettensicherheit) koordiniert die entsprechenden Maßnahmen. Diese sind beispielsweise die Aktualisierung unserer Richtlinien, die Überprüfung von Prozessen und die Koordination unserer Beteiligung an externen Initiativen. Mitarbeiter im Einkauf, die für die Auswahl und Beauftragung von Lieferanten zuständig sind, informieren wir regelmäßig durch interne Kommunikationskanäle und Schulungen über unsere Richtlinien, Nachhaltigkeitsanforderungen und Neuerungen.

Wozu wir uns verpflichten: Richtlinien und Standards

Wir erwarten von allen unseren Lieferanten und Dienstleistern, dass sie unsere Umwelt- und Sozialstandards einhalten. Diese Standards ergeben sich vor allem aus den Kernarbeitsnormen der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und dem Global Compact der Vereinten Nationen. Sie sind in unseren „Responsible Sourcing Principles“ festgelegt. Von unseren Lieferanten erwarten wir, dass sie die Einhaltung der Regeln auch bei ihren Zulieferern sicherstellen.

Unsere „Responsible Minerals Sourcing Charter“ verdeutlicht, wie verantwortungsbewusst wir die Beschaffung aus Konflikt- und Hochrisikogebieten angehen. Sie ergänzt die Anforderungen, die sich aus unseren „Responsible Sourcing Principles“ ergeben. Die Charta gilt weltweit für alle Einheiten und Tochtergesellschaften unseres Konzerns, unsere Mitarbeiter sowie alle Dritten, die in unserem Auftrag tätig sind.

Darüber hinaus unterstützen wir die Compliance-Initiative des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME) und sind Unterzeichner des BME-Verhaltenskodex. Dieser Kodex enthält insbesondere Regelungen zur Bekämpfung von Korruption, Kartellbildung und Kinderarbeit, zur Wahrung der Menschenrechte, zum Schutz von Umwelt und Gesundheit sowie zur Förderung fairer Arbeitsbedingungen.

Um zu gewährleisten, dass wir nach den Industriestandards arbeiten und uns auf Vergleichsdaten- und Expertenanalysen verlassen können, arbeiten wir in Brancheninitiativen mit Unternehmenspartnern zusammen. Wir sind Mitglied von Together for Sustainability (TfS) und der Pharma Supply Chain Initiative (PSCI).

Wir fordern unsere Lieferanten auf, durch uns oder durch vertrauenswürdige Partner Bewertungen oder Audits durchführen zu lassen. Das erhöht die Transparenz in unserer Lieferkette und lässt erkennen, in welchen Bereichen die Nachhaltigkeitsleistung verbessert oder das Risiko von Verstößen reduziert werden kann. Bezüglich unserer Glimmer-Lieferkette beauftragen wir ein international tätiges Beratungsunternehmen mit der Durchführung von Audits; die indische Organisation IGEP übernimmt zusätzliche Kontrollen. Weitere Informationen dazu gibt es im entsprechenden Kapitel.

Details zu den im Berichtsjahr durchgeführten Bewertungen und Audits sind hier zu finden.

Bewertungen und Audits der Lieferkette

Together for Sustainability – Bewertungen und Audits der Lieferanten

Die Initiative TfS bewertet Lieferanten entweder anhand der bei Audits gewonnenen Informationen oder anhand von Selbstauskünften und öffentlich zugänglichen Informationen. Letztere stellt die unabhängige Rating-Agentur EcoVadis bereit. EcoVadis bewertet Zulieferer aus mehr als 160 Ländern und 200 Branchen in den Kategorien Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik sowie nachhaltige Beschaffung. Die TfS-Mitgliedsunternehmen erhalten – unter Einhaltung aller kartellrechtlichen Bestimmungen – Einsicht in diese Ergebnisse.

Über die TfS-Initiative haben wir Zugriff auf gültige Bewertungen von mehr als 1.460 unserer Lieferanten. Im Jahr 2021 unterzogen sich 882 Lieferanten einer Erst- oder Neubewertung. Teils haben wir diese angestoßen, teils andere TfS-Mitglieder.

Über „Grow & Deliver“, dem für den Zeitraum 2020-2025 festgelegten strategischen Rahmenkonzept für TfS-Aktivitäten, fördern wir in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedsunternehmen den Aufbau von Kapazitäten in unserer Lieferkette. Im Berichtsjahr führten wir mehrere Webinare durch. Dabei ging es um Nachhaltigkeitsbewertungen und -audits sowie um die Erhöhung der Transparenz in der Lieferkette und die Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistung. Die Webinare wurden gemeinsam mit TfS und EcoVadis vorbereitet, veranstaltet und unseren Mitarbeitern im Einkauf sowie den Lieferanten in allen Regionen angeboten. Wir beteiligten uns außerdem an der neuen Veranstaltungsreihe „TfS Talks“ zum Austausch von Best Practices. Unseren Beitrag als TfS-Mitglied leisteten wir außerdem, indem wir ein Konzept zum Aufbau von Fähigkeiten mit entwickelten und eine Schulungsplattform für Nachhaltigkeitswissen und -fertigkeiten aufsetzen. Diese Plattform wird ab 2022 allen unseren Einkaufsmitarbeitern und den Lieferanten der 33 TfS-Mitgliedsunternehmen in verschiedenen Sprachen zur Verfügung stehen.

Weltweite Beschaffung

Der Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen, die wir im Jahr 2021 von etwa 57.000 Lieferanten in mehr als 140 Ländern beschafften, belief sich auf rund 8,6 Mrd. €; gegenüber etwa 7,9 Mrd. € im Jahr 2020. Das entspricht einem Anstieg von 8,9 %. 28 % dieser Waren und Dienstleistungen (einschließlich F&E-Leistungen) bezogen wir von Lieferanten aus Nordamerika, 46 % von europäischen Zulieferern, 21 % von Lieferfirmen aus dem Asien-Pazifik-Raum, 1 % von Lieferanten des Mittleren Ostens und des afrikanischen Kontinents und 2 % von Zulieferern aus Lateinamerika.

Einkaufsvolumen und Lieferanten nach Region – 20211

Beschaffungsvolumen und Lieferanten nach Region – 2021 (Grafik)
1) Aus Gründen der Datenverarbeitung sind derzeit 3 % unseres Beschaffungsvolumens (1.245 Lieferanten) keiner Beschaffungsregion zugeordnet.

Vielfalt der Lieferanten

In den USA verfügen wir über spezielle Programme zur Lieferantenvielfalt, um der lokalen Gesetzgebung zu entsprechen. Unser Schwerpunkt in den Vereinigten Staaten liegt darauf, unser bestehendes Lieferantenfinder-Tool zu verbessern: Wir stellten es weiteren Einkäufern zur Verfügung – und können nun leichter mit verschiedenen Lieferanten in Kontakt treten und mögliche Aufträge vergeben. Außerdem arbeiten wir weiter an unseren internen Sensibilisierungskampagnen und Schulungen für unsere Einkäufer. Wir investieren in Tools, um unsere Datenbank kleiner, aber vielfältiger Lieferanten zu erweitern.

Botschafter für nachhaltige Beschaffung

Seit seiner Veröffentlichung auf dem sozialen Netzwerk LinkedIn im Jahr 2019 entwickelte sich das durch die TfS initiierte „Bekenntnis zur nachhaltigen Beschaffung“ („Sustainable Procurement Pledge“) zu einer Plattform für den Wissensaustausch zwischen Einkaufsmitarbeitern, Wissenschaftlern und anderen Stakeholdern. Es fanden dort bereits verschiedene Online-Veranstaltungen statt, um Best Practices auszutauschen. Wir beteiligen uns aktiv am „Sustainable Procurement Pledge“.

Due Diligence
Unter Due Diligence versteht man eine mit besonderer Sorgfalt durchgeführte Risikoanalyse, die zur Vorbereitung eines Geschäftsvorgangs, beispielsweise einer Akquisition, durchgeführt wird.
Stakeholder
Als Stakeholder bezeichnet man Personen oder Organisationen, die ein Interesse und/oder einen berechtigten Anspruch an einem Unternehmen haben. Zu den Stakeholdern gehören beispielsweise Mitarbeiter, Geschäftspartner, Nachbarn von Standorten oder Aktionäre.

Diese Seite teilen: