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Wasser­management

Weltweit herrscht in immer mehr Regionen Wasserknappheit. Auch wir sind auf die Verfügbarkeit von Wasser angewiesen. Nachhaltiges Wassermanagement ist deshalb ein Schwerpunkt unseres betrieblichen Umweltschutzes. Unsere Abwässer können zudem Spurenstoffe wie Schwermetalle oder pharmazeutische Wirkstoffe enthalten. Die geltenden Gesetze zum Wasserschutz beachten wir bei allen Maßnahmen und Prozessen und passen diese bei Verschärfungen umgehend an.

Unser Ansatz für ein nachhaltiges Wassermanagement

Nachhaltiges Wassermanagement bedeutet für uns, den Status der Gewässer, aus denen wir Frischwasser beziehen oder in die wir gereinigte Abwässer einleiten, nicht negativ zu beeinflussen.

Um nachhaltiges und effizientes Wassermanagement zu fördern, nutzen wir ein Bewertungstool des Verbands der Europäischen chemischen Industrie (Cefic). Damit evaluierten unsere Standorte ihr Wassermanagement. Auf dieser Basis erstellten sie einen Maßnahmenkatalog und setzen ihn bis Ende 2020 schrittweise um.

Auch Wasserknappheit haben wir im Blick: Um zu erkennen, ob ein Standort in einem Wasserstressgebiet liegt, nutzen wir beispielsweise den den „Aqueduct Water Risk Atlas“ des World Resources Institute (WRI). Ein Wasserstressgebiet liegt dann vor, wenn die Wasserentnahme größer ist als der Zufluss.

Unsere Wasserbezugsdaten analysieren wir systematisch und setzen uns klare Reduktionsziele. Unser bisheriges Ziel sah vor, unseren Wasserbezug an Standorten in Wasserstressgebieten bis 2020 um 10% im Vergleich zum Jahr 2014 zu reduzieren. Dieses Ziel haben wir Ende 2020 erreicht.

Im Berichtsjahr entwickelten wir daher Folgeziele, die wir bis 2025 beziehungsweise 2030 erreichen wollen (siehe Abschnitt „Wasser effizienter nutzen“ und „Unsere Abwässer“). Wir möchten den Umwelteinfluss unserer Abwässer verringern und unsere Prozesse wassereffizienter gestalten. Perspektivisch werden wir auch wasserbezogene Risiken berücksichtigen, die mit wichtigen Rohstoffen in unserer Lieferkette verbunden sind. Langfristig möchten wir so Wasserverbräuche und Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus unserer Produkte transparent abbilden.

Die Prüfung des standortbezogenen Wassermanagements ist Teil unserer -Audits, die wir regelmäßig an unseren Produktions- und Entwicklungsstandorten durchführen.

Produktionsstandorte stehen stärker im Fokus unseres Wassermanagements als Verwaltungsstandorte, da von der Produktion potenziell eine höhere Gefährdung für Gewässer ausgeht.

Wie wir unser Wassermanagement organisieren

Die oberste Verantwortung für das Wassermanagement trägt die Konzernfunktion „Environment, Health, Safety, , Quality“ (). An unseren Standorten ergreifen Techniker in enger Abstimmung mit EHS-Managern Maßnahmen, um den Wasserbedarf zu senken und das Abwasser zu reinigen.

Weitere Informationen finden sich im Kapitel Betrieblicher Umweltschutz.

Wozu wir uns verpflichten: Standards und Vorgehen

Unsere konzernweiten Standards „Sustainable Water Management Part 1 – Waste water“ und „Sustainable Water Management Part 2 – Water use and stormwater protection“ beschreiben, wie wir moderne Mechanismen eines nachhaltigen Wassermanagements in unser Managementsystem integrieren. Beide Standards basieren auf den Verpflichtungen der weltweiten Initiative „Responsible Care®“, an der wir teilnehmen.

Der Standard „Waste water“ gibt die Kriterien vor, anhand derer wir unsere Abwassereinleitungen in die Umwelt bewerten. Der Standard „Water use and stormwater protection“ enthält konzernweit verpflichtende Vorgaben für den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser. Daneben legt er fest, wie wir Risiken steuern, die sich aus direkter oder indirekter Wasserentnahme ergeben. Auch Risiken wie kontaminiertes Regenwasser oder Überflutungen deckt der Standard ab. Mit unseren internen EHS-Audits kontrollieren wir, ob unsere Standorte die Standards einhalten. Sie alle sind verpflichtet, die Risiken und Auswirkungen ihrer Abwasserfrachten – also der Schadstoffe in ihren Abwässern – zu ermitteln und zu bewerten. Außerdem müssen sie Entnahme- und Regenwasserrisiken analysieren und die jeweiligen Vorgaben der lokalen Behörden einhalten.

Wasser aus eigenen Quellen

Wasser, das wir für unsere Produktionsprozesse nutzen, entnehmen wir größtenteils aus eigenen Brunnen. Unser Trinkwasser beziehen wir von örtlichen Versorgern. In keinem Fall beeinträchtigen wir sensible Wasserquellen. Dennoch behalten wir Entwicklungen im Blick, die dazu führen könnten, dass Quellen zukünftig als sensibel eingestuft werden.

Gesamtwasserbezug (in Mio. Kubikmeter) – 2020

Gesamtwasserbezug (in Mio. Kubikmeter) – 2020 (Graphic)

Das Kühlwasser für unsere Produktionsprozesse führen wir größtenteils im Kreislauf. Je nach gesetzlichen Vorgaben und je nach Energiebilanz kühlen wir aber auch per Frischwasser im Durchlauf. In ausgesuchten Anwendungen bereiten wir die Produktionsabwässer auf und verwenden sie erneut. Insgesamt verwerteten wir im Jahr 2020 22 Mio. Kubikmeter Wasser wieder.

Wasser effizienter nutzen

Wir wollen unseren Einfluss auf die Wassersituation rund um unsere Standorte minimieren. 2020 lag unser Gesamtwasserbezug bei 14,2 Mio. Kubikmetern. 700.000 Kubikmeter Wasser stammten aus Wasserstressgebieten. Dies betrifft unsere Produktionsstandorte in Mexiko-Stadt (Mexiko), Mollet del Vallès (Spanien), Kankakee (Illinois, USA), Norwood (Ohio, USA), Savannah (Georgia, USA) sowie Hsinchu und Taoyuan (beide Taiwan). Diese sieben Standorte müssen einerseits ihren Wassereinsatz transparent darstellen und andererseits Prozessschritte identifizieren, die besonders viel Wasser benötigen. Darauf aufbauend erarbeiten wir Maßnahmen, um den Wasserbedarf dieser Standorte zu senken. An unseren taiwanesischen Standorten nutzen wir beispielsweise Prozessabwasser sowohl zum Heizen als auch für die Kühlanlagen; außerdem fangen wir dort Regenwasser auf.

Unser Ziel bis zum Jahr 2020 lautete, in Wasserstressgebieten 10% der jährlich eingesetzten Wassermenge im Vergleich zu 2014 einzusparen. Ende 2020 lagen die Einsparungen an den betroffenen Standorten bei insgesamt rund 27% gegenüber 2014. Damit haben wir unsere Zielsetzung sogar übertroffen.

Folgeziel bis 2025

Ob ausreichend Wasser verfügbar ist, hängt von lokalen Gegebenheiten ab. Standorte in Gebieten, in denen Wasser knapp ist, wollen wir bei unseren Sparmaßnahmen besonders berücksichtigen. Um unsere Wassereffizienz zu verbessern, definierten wir deshalb einen Intensitätswert – den „Merck Water Intensity Score“. Diesen wollen wir bis 2025 um 10% im Vergleich zu 2019 verbessern. Er setzt die bezogene Wassermenge eines Standortes ins Verhältnis zur lokalen Verfügbarkeit von Wasser und zur Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden. Zur Berechnung ziehen wir den lokalen Wasserstressfaktor nach dem „Aqueduct Water Risk Atlas“ des World Resources Institutes (WRI) heran.

Unsere Abwässer

2020 fielen bei uns insgesamt 13,4 Mio. Kubikmeter Abwasser an. Davon waren 9,2 Mio. Kubikmeter , das wir in Oberflächengewässer einleiteten. 4,2 Mio. Kubikmeter entfiel auf , das wir durch externe Kläranlagen aufbereiten oder umweltschonend entsorgen ließen. Bei der Direkteinleitung in Gewässer halten wir uns weltweit an die jeweiligen gesetzlichen Vorgaben. Bevor wir einen Einleitbescheid erhalten, prüfen die lokalen Behörden das Gewässerprofil vor Ort. So stellen sie sicher, dass unsere Aktivitäten das Gewässer nicht beeinträchtigen. Etwa 50% der gesamten Abwassereinleitungen fallen an drei unserer Standorte an. Gernsheim (Deutschland) leitet seine geklärten Abwässer in den Rhein und Onahama (Japan) in den Pazifischen Ozean. Am Standort Darmstadt anfallendes Abwasser bereiten wir in unseren eigenen Anlagen auf; es gelangt über den Oberflächenwasserkörper Schwarzbach/Ried in den Rhein. Die von uns eingeleitete Menge an behandeltem Abwasser entspricht etwa 4% der jährlichen Wassermenge des Oberflächenwasserkörpers Schwarzbach/Ried. Dabei erfüllen wir alle gesetzlichen Vorgaben. Da die gesetzlichen Anforderungen zur Einleitung von behandeltem Abwasser immer strenger werden, stimmen wir uns regelmäßig mit den zuständigen Behörden ab.

Rückstände in Abwässern

Wir arbeiten fortlaufend daran, unsere Produktions- und Reinigungsprozesse zu optimieren, um Wasser einzusparen und Rückstände zu minimieren. Für jeden unserer Unternehmensbereiche ist ein Experte benannt, der die Standorte dabei unterstützt. Bei unseren pharmazeutischen Produktionsstandorten betrifft dies vor allem die Rückstände pharmazeutischer Wirkstoffe im Abwasser. Alle entsprechenden Standorte verfügen über Abwasseraufbereitungsanlagen und untersuchen ihr Abwasser regelmäßig auf Schadstoffe.

In geringen Mengen verarbeiten wir auch Antibiotikawirkstoffe. Um negative Auswirkungen zu vermeiden, unterziehen wir die Abwässer aus solchen Prozessen einem zusätzlichen Reinigungsverfahren. Erst dann leiten wir sie in die Umwelt ein. So minimieren wir verbliebene Antibiotikarückstände.

Neue Zielsetzung bis 2030

Wir halten uns bei der Abwassereinleitung streng an behördliche Regelungen. Obwohl wir die geltenden Vorgaben erfüllen, gelangen dennoch geringe Mengen sogenannter in die Umwelt. Mit unserer neuen Zielsetzung gehen wir deshalb über die gesetzlichen Anforderungen hinaus: Bis 2030 wollen wir potenziell schädliche Emissionsrückstände in unseren Abwässern unter die No-Effect-Grenze senken. Dabei handelt es sich um einen wissenschaftlich definierten Schwellenwert, unterhalb dessen keine negativen Umweltauswirkungen zu erwarten sind.

Verbesserte Qualität in der Wasseraufbereitung

2020 nahmen wir unsere neue industrielle Wasseraufbereitungsanlage mit verbesserter Leistung in Jaffrey (New Hampshire, USA) in Betrieb. Mit der neuen Anlage werden wir voraussichtlich bis zu 90.000 Kubikmetern jährlich wiederverwenden. Das entspricht einer Wasserwiederverwendungsrate von 80%, was die kommunale Kläranlage deutlich entlastet. Darüber hinaus sparen wir mit der Anlage aufgrund verschiedener Prozessverbesserungen jährlich mehr als 500.000 Kilowattstunden Energie.

Bewertung unseres Wassermanagements

Neben unseren Klimaschutzmaßnahmen berichten wir auch zum Thema Wasser an die Organisation CDP. Die Initiative erfragt einmal jährlich die Umweltdaten von Unternehmen und bewertet deren Prozesse und Leistungen auf einer Skala von A bis D-. 2020 erhielten wir für unser Wassermanagement ein „B“ (2019: B).

EHS
Environment, Health and Safety: Mit der Abkürzung werden Umweltmanagement, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit in Betrieben beschrieben.
Security
Security (deutsch: Sicherheit) umfasst alle notwendigen Maßnahmen sowie Leitungs- und Kontrollaktivitäten zur Aufdeckung, Auswertung, Behandlung und Abwehr von Sicherheitsbedrohungen und kriminellen Machenschaften gegenüber Unternehmen. Sie dienen dem Schutz der Mitarbeiter sowie unserer materiellen und immateriellen Vermögenswerte.
EQ
EQ steht für unsere Konzernfunktion „Environment, Health, Safety, Security, Quality“.
Süßwasser
Wasser mit gleich oder weniger als 1.000 mg gelösten Feststoffen pro Liter.
Anderes Wasser
Wasser mit mehr als 1.000 mg gelösten Feststoffen pro Liter.
Spurenstoffe
Spurenstoffe bezeichnen im Wasser gelöste Stoffe, die auch als Mikroverunreinigungen oder Mikroschadstoffe bezeichnet werden. Es handelt sich dabei um synthetische Substanzen, die in Konzentrationen von Nano- bis zu einigen Mikrogramm pro Liter Wasser vorkommen.