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Prozess- und Anlagensicherheit

Die Sicherheit unserer Anlagen und Prozesse ist eine zentrale Anforderung unserer Managementsysteme für Umweltschutz und Arbeitssicherheit. So schützen wir sowohl unsere Mitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen als auch die Menschen in unserer direkten Nachbarschaft. Leistungsstarke Sicherheitssysteme tragen außerdem dazu bei, Fehler in der Produktion zu minimieren und wirtschaftlichem Schaden vorzubeugen.

Unser Ansatz für Prozess- und Anlagensicherheit

Wir wollen Gefahren im Produktionsablauf minimieren, um Arbeitsunfälle, Produktionsausfälle oder die Freisetzung von Chemikalien zu verhindern. Deswegen überprüfen wir regelmäßig unsere Prozess- und Anlagensicherheit. Wir nutzen unsere -Leistungsindikatoren (siehe Abschnitt „Sicherheit genau im Blick“), um Sicherheit kontinuierlich zu messen. Regelmäßige Schulungen helfen unseren Mitarbeitern, menschliche Fehler zu vermeiden und technische Fehler zu erkennen, bevor sie Schaden verursachen.

Wie wir unsere Prozess- und Anlagensicherheit organisieren

Die Konzernfunktion „Environment, Health, Safety, , Quality“ () koordiniert die Anlagen- und Prozesssicherheit in unserem Unternehmen. Die operative Verantwortung liegt bei unseren Standortleitern, die durch lokale EHS-Manager oder -Koordinatoren unterstützt werden.

Weitere Informationen finden sich im Kapitel Betrieblicher Umweltschutz.

Wozu wir uns verpflichten: Standards und Gesetze

Unser konzernweit gültiger EHS-Standard „Plant and Process Safety“ schreibt sicherheitsrelevante Regeln für alle unsere Produktionsanlagen und Lager vor. Diese Vorgaben erstrecken sich über den gesamten Lebenszyklus einer Anlage – von Planung und Bau, über Betrieb, Umbau, Wartung und Instandhaltung bis hin zur Stilllegung. Der EHS-Standard „Spillage Control“ regelt unseren Umgang mit Gefahrstoffen weltweit. Er macht organisatorische Vorgaben, die eine Freisetzung von giftigen Stoffen bei Lagerung und Transport verhindern sollen. Der Standard „Fire Protection“ gibt unseren Standorten klare Vorgaben zum Brandschutz an die Hand.

Darüber hinaus legt der sogenannte „Risk Management Process“ für alle unsere Standorte fest, wie wir Risiken identifizieren und bewerten. Bei Bedarf erarbeiten wir mithilfe dieses Prozesses zusätzliche Maßnahmen, um diese Risiken zu minimieren. Unsere „Group Procedure Hazard and Operability Study“ definiert, wer bei einer Neuinstallation, einem Umbau oder sicherheitstechnisch relevanten Veränderungen einer Anlage potenzielle Gefahren untersuchen muss. Darin ist außerdem festgelegt, wie diese Gefahrenermittlung durchgeführt und dokumentiert werden soll.

Bewertung des Gefahrenpotenzials

Bevor wir eine Anlage in Betrieb nehmen, erarbeiten wir ein Sicherheitskonzept. Dieses überprüfen wir bis zu ihrer Stilllegung regelmäßig und passen es gegebenenfalls an. Es enthält eine Übersicht über potenzielle Risiken und entsprechende Schutzmaßnahmen. Nach jeder Änderung einer Anlage lassen wir zudem die Gefährdungssituation neu beurteilen. Am Standort Darmstadt haben wir im Berichtszeitraum unser Konzept für Anlagensicherheit weiterentwickelt; es greift nun die neuesten Empfehlungen der Kommission für Anlagensicherheit (KAS) des Bundesumweltministeriums auf.

Wir überprüfen unsere Prozess- und Anlagensicherheit regelmäßig durch interne -Audits (siehe Betrieblicher Umweltschutz). Unsere Standorte sind verpflichtet, die im Audit erkannten Mängel zu beseitigen. Der Auditor kontrolliert anschließend, dass die vereinbarten Verbesserungsmaßnahmen umgesetzt werden.

Sicherheit genau im Blick

An allen Produktions- und Lagerstandorten sowie an großen Forschungsstandorten erheben wir EHS-Leistungsindikatoren. Dabei erfassen wir sowohl Unfälle als auch Beinaheunfälle. Wir untersuchen jedes einzelne Ereignis und ergreifen geeignete Gegenmaßnahmen. So reduzieren wir die Wahrscheinlichkeit, dass sich derartige Vorfälle zukünftig wiederholen. Informationen über die EHS-Leistungsindikatoren werden innerhalb der Unternehmensbereiche monatlich berichtet; die Geschäftsleitung erhält jährliche Berichte. Fünf Indikatoren sind dabei für uns besonders wichtig:

  • Mit unserer „EHS Incident Rate“ (EHS IR, siehe nächster Abschnitt) erfassen und bewerten wir alle kleinen und großen Unfälle und Ereignisse.
  • Die EHS IR enthält auch den Indikator „Loss of Primary Containment“ (LoPC, deutsch: Freisetzung chemischer Stoffe durch Versagen des Einschlusssystems).
  • Ein weiterer wichtiger Indikator ist die „EHS Leading Rate“ (EHS LR) – diese beinhaltet die Anzahl und Analyse von Beinaheunfällen und kritischen Situationen. Teilweise definieren unsere Unternehmensbereiche eigene Jahresziele für die EHS IR sowie für die EHS LR.
  • Mit der „Occupational Illness Rate“ (OIR, deutsch: Berufsbedingte Krankheitsrate) erfassen wir zudem in den USA arbeitsbedingte Erkrankungen und ihre Langzeitwirkungen.
  • Wir hatten uns außerdem zum Ziel gesetzt, die „Lost Time Injury Rate“ () (Zahl der Arbeitsunfälle mit mindestens einem Ausfalltag bezogen auf eine Million geleisteter Arbeitsstunden) bis 2020 konzernweit auf 1,5 zu stabilisieren. Dieses Ziel haben wir übertroffen: 2020 lag der Wert bei 1,3.

Unfall- und Ereignishäufigkeitsrate

Um Unfälle und andere Ereignisse zu dokumentieren, erheben wir die „EHS Incident Rate“ (EHS IR, Unfall- und Ereignishäufigkeitsrate). Sie setzt sich aus vier Arten von Vorfällen zusammen:

  • Anzahl der Arbeitsunfälle unserer Mitarbeiter sowie der Mitarbeiter von Drittfirmen, die an unseren Standorten beschäftigt sind
  • Umweltrelevante Ereignisse nach der Definition des europäischen „Chemical Industry Council“ (Cefic) und des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) – beispielsweise die Freisetzung von Substanzen
  • Das Auslösen betrieblicher Sicherheitsvorkehrungen ohne Auswirkungen für Mensch und Umwelt – beispielsweise das präventive Abschalten von Anlagen
  • Festgestellte Abweichungen bei externen Überprüfungen und Audits durch Behörden oder unseren Zertifizierer

In die Berechnung der EHS IR fließen die Anzahl der Vorfälle und die Schwere des Ereignisses im Verhältnis zu den geleisteten Arbeitsstunden ein. Je niedriger die EHS IR, desto sicherer ist also ein Standort.

3,4

betrug unsere Kennzahl EHS IR im Jahr 2020. Damit verringerte sie sich leicht im Vergleich zum Vorjahr (2019: 3,6).

Im Jahr 2020 registrierten wir konzernweit keine wesentlichen störungsbedingten Freisetzungen von Substanzen an unseren Produktions-, Forschungs- und Lagerstandorten.

Schulungen und Austausch

Die Sicherheit unserer Anlagen und Prozesse beruht auf dem reibungslosen Zusammenspiel von Mensch und Maschine. Wir schulen unsere Mitarbeiter regelmäßig zur Prozess- und Anlagensicherheit und führen interne Fortbildungen für Standort-, Produktions-, Technik- und EHS-Verantwortliche durch. Alle neuen EHS-Manager erhalten im Rahmen des EHStart-up!-Trainings Einstiegsschulungen zur Prozess- und Anlagensicherheit (siehe Betrieblicher Umweltschutz).

Um die Sicherheit zu verbessern, gibt es zudem einen fortlaufenden Informations- und Erfahrungsaustausch. So können alle unsere Produktionsstandorte aus den Ereignissen an anderen Standorten lernen und vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Standortleiter und EHS-Manager tauschen sich beispielsweise monatlich in den „Safety Leadership Calls“ über neue Erfahrungen aus. Ergänzend gibt es regelmäßige Gesprächsrunden zwischen den EHS-Managern der Standorte.

Transparente Kommunikation

Unsere Sicherheitsberichte gemäß Störfall-Verordnung sind von der Öffentlichkeit jederzeit auf Anfrage einsehbar. Am Standort Darmstadt informieren wir durch Nachbarschaftstreffen über potenzielle Gefahren sowie Schutzmaßnahmen im Störfall. Unsere begleitende Störfallbroschüre aktualisieren wir alle drei Jahre; nach jeder Aktualisierung verschicken wir sie an circa 17,000 Haushalte im weiteren Standortumfeld. Sie ist zudem auf unserer Website abrufbar.

EHS
Environment, Health and Safety: Mit der Abkürzung werden Umweltmanagement, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit in Betrieben beschrieben.
Security
Security (deutsch: Sicherheit) umfasst alle notwendigen Maßnahmen sowie Leitungs- und Kontrollaktivitäten zur Aufdeckung, Auswertung, Behandlung und Abwehr von Sicherheitsbedrohungen und kriminellen Machenschaften gegenüber Unternehmen. Sie dienen dem Schutz der Mitarbeiter sowie unserer materiellen und immateriellen Vermögenswerte.
EQ
EQ steht für unsere Konzernfunktion „Environment, Health, Safety, Security, Quality“.
EHS
Environment, Health and Safety: Mit der Abkürzung werden Umweltmanagement, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit in Betrieben beschrieben.
LTIR
Die Lost Time Injury Rate (LTIR) misst die Anzahl der Unfälle mit Ausfallzeit (1 Tag und mehr) pro einer Million Arbeitsstunden.