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Verantwortung in der Lieferkette

Ziele unseres Lieferantenmanagements sind die Einhaltung grundlegender Umwelt- und Sozialstandards, hohe Qualität, zuverlässige Lieferung und wettbewerbsfähige Preise. Wir haben daher entsprechende Strategien, Prozesse und Richtlinien eingeführt, um Verstößen gegen Lieferkettenstandards vorzubeugen und unsere Nachhaltigkeitsleistung kontinuierlich zu verbessern. Sofern nicht anders ausgeführt, gelten die dargestellten Konzepte für direkte Lieferanten. Darüber hinaus bestehen insbesondere für mittelbare Lieferfirmen im Bereich Konfliktmineralien gesonderte Maßnahmen in unserem Lieferantenmanagement.

Der Bereich Group Procurement arbeitet Hand in Hand mit unseren Lieferanten, um unsere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Wir streben nach Transparenz in all unseren Beschaffungsregionen und verankern Nachhaltigkeit in allen unseren Wertschöpfungsketten. Um dies zu erreichen, haben wir zwei Kennzahlen definiert: Mit ihnen messen wir unseren Weg hin zu mehr Transparenz, indem wir die Nachhaltigkeitsleistung relevanter Lieferanten mithilfe gültiger Nachhaltigkeitsbewertungen überprüfen. Unsere Definition einer gültigen Nachhaltigkeitsbewertung umfasst Beurteilungen, die eine zuverlässige und anerkannte Quelle innerhalb der letzten drei Jahre durchgeführt hat. Relevante Lieferanten stehen entweder mit bestimmten Länder- und Branchenrisiken in Verbindung oder tragen zu einem Großteil (mindestens 50 %) unserer Beschaffungsausgaben bei. Für die Risikobewertung nutzten wir bisher Risikodaten von EcoVadis. Für das Länderrisiko entwickelten wir im Jahr 2022 eine eigene, umfassendere Bewertung.

2022 verfügten 46 % (2021: 33 %) unserer relevanten Lieferanten über eine gültige Nachhaltigkeitsbewertung; 82 % (2021: 74 %) unserer Beschaffungsausgaben mit diesen Lieferanten waren durch Lieferanten mit einer gültigen Nachhaltigkeitsbewertung abgedeckt. Um unsere beiden Kennzahlen über die Jahre hinweg vergleichen zu können, wendeten wir unsere neue länderspezifische Risikobewertung rückwirkend auch auf die Daten des Jahres 2021 an, dem Beginn unserer Messung.

Wir berücksichtigen alle gesetzlichen Anforderungen und ergreifen bei Bedarf geeignete Maßnahmen. Zu diesem Zweck setzten wir beispielsweise im Jahr 2022 Maßnahmen zur Einhaltung des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes um. Unter anderem ernannten wir die Leiterin der Konzernfunktion Corporate Sustainability, Quality and Trade Compliance zur Menschenrechtsbeauftragten.

Unser Lieferanten-Dekarbonisierungsprogramm ist äußerst wichtig, damit wir unser Science Based Target erreichen. Mithilfe dieses Programms wollen wir den Treibhausgasausstoß reduzieren, der mit von uns eingekauften Waren, Dienstleistungen und Investitionsgütern einhergeht.

Risikomanagementprozess

Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, wählen wir unsere Lieferanten anhand von verschiedenen Kriterien aus – wie Länder-, Material- oder Lieferantenrisiken und deren strategische Bedeutung für unser Geschäft. Dieser Prozess hilft unserem verantwortlichen Personal im Einkauf, geeignete Maßnahmen zur Risikominderung auszuloten und die betreffenden Lieferfirmen bei Verbesserungen zu unterstützen. Der Ansatz für unsere strategischen Lieferanten – auf die etwa 49 % unserer Beschaffungsausgaben entfallen – umfasst die Identifizierung, Überwachung und Bewertung von Sicherheitsrisiken in der Lieferkette. Er besteht aus vier Hauptelementen:

  • Lieferantenrisikobewertung: zur Erfassung der übergreifenden Risiken auf Ebene des Lieferanten, einschließlich verschiedener Risikodomänen
  • Warnsystem: zur Benachrichtigung unserer Procurement-Einheit, wenn bei einem unserer Lieferfirmen ein Risikoereignis entsteht
  • Materialrisikobewertungen: zur Identifizierung und Minderung der Risiken jener Materialien, die für unsere wichtigsten Endprodukte verwendet werden
  • Risk Response Tracker: ein System zur Erarbeitung und Überwachung von Maßnahmen zur Risikominderung in bereichsübergreifenden Teams.

Wir berechnen die Risikofaktoren für Lieferanten und Rohmaterialien, indem wir die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Risikos mit den Risikoauswirkungen multiplizieren. Unsere Risikomethodik haben wir vereinfacht und konzentrieren uns nun auf die zehn wichtigsten Risikokategorien – darunter „wirtschaftliche Freiheit“, „soziale Unruhen“, „unfaire Geschäftspraktiken“ und „schlechte Arbeitspraktiken“ – unterteilt in drei Risikobereiche. Außerdem berücksichtigen wir Kriterien, um Lieferanten zu identifizieren, die von wichtigen Nachhaltigkeitsrisiken etwa bei der Mineralienbeschaffung oder beim Tierschutz betroffen sind.

Due-Diligence-Prozess für eine verantwortliche Mineralienbeschaffung

Wir beschaffen und verkaufen Produkte mit Bestandteilen, die für gewöhnlich als „3TG“ bezeichnet werden (Zinn, Wolfram, Tantal, Gold – allgemein auch als Konfliktmineralien bekannt). Diese Mineralien bergen das Risiko, in Konflikt- und Hochrisikogebieten abgebaut, gehandelt, verarbeitet und exportiert zu werden. Dort kann es zu Menschenrechtsverletzungen kommen, und diese gilt es zu verhindern.

Unser Ziel ist es, Materialien auf verantwortungsvolle und konfliktfreie Weise zu beschaffen und mit unserer Tätigkeit keine nachteiligen Auswirkungen hervorzurufen. Aus diesem Grund verfügen wir über ein bereichsübergreifendes Due-Diligence-Programm, das geltenden Gesetzen und internationalen Standards entspricht.

Um unsere Due-Diligence-Praktiken laufend zu verbessern, haben wir ein konzernweites System zur Speicherung und Pflege von Lieferantendaten eingerichtet. Es hilft uns, mehr Transparenz in unserer Lieferkette zu schaffen. Darüber hinaus arbeiten wir daran, weitere Kontrollmechanismen für Hochrisiko-Lieferantengruppen in unsere Due-Diligence-Prozesse einzubeziehen.

Rollen und Verantwortlichkeiten

Dem Bereich Group Procurement obliegt es, die Nachhaltigkeitsanforderungen in die relevanten Phasen unserer Beschaffungs- und Lieferantenmanagementprozesse zu integrieren. Unser Center of Excellence for Supply Security (Kompetenzzentrum für Lieferkettensicherheit) koordiniert die entsprechenden Maßnahmen. Diese sind beispielsweise die Aktualisierung unserer Richtlinien, die Überprüfung von Prozessen und die Koordination unserer Beteiligung an externen Initiativen.

Wozu wir uns verpflichten: Richtlinien und Standards

Wir erwarten von allen unseren Lieferanten und Dienstleistungsunternehmen, dass sie unsere Umwelt- und Sozialstandards einhalten. Diese Standards ergeben sich vor allem aus den Kernarbeitsnormen der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und dem Global Compact der Vereinten Nationen. Von unseren Lieferanten erwarten wir, dass sie die Einhaltung der Regeln auch bei ihren Zulieferfirmen sicherstellen. Im Berichtsjahr entwickelten wir einen Verhaltenskodex für Lieferanten. Dieser beschreibt detailliert unsere Erwartungen an Lieferanten und Geschäftspartner, und zwar bezüglich Menschenrechte, Gesundheit und Sicherheit, Unternehmensintegrität, Umweltschutz, kontinuierliche Verbesserung und Management der jeweiligen Lieferfirmen. Seit Januar 2023 ersetzt dieser Verhaltenskodex unsere Responsible Sourcing Principles.

Unsere Responsible Minerals Sourcing Charter verdeutlicht, wie verantwortungsbewusst wir die Beschaffung aus Konflikt- und Hochrisikogebieten angehen. Die Charta gilt weltweit für alle Einheiten und Tochtergesellschaften unseres Konzerns und ergänzt die Anforderungen, die sich aus unserem Verhaltenskodex für Lieferanten ergeben.

Um zu gewährleisten, dass wir nach den Industriestandards arbeiten und uns auf Vergleichsdaten- und Expertenanalysen verlassen können, arbeiten wir in Brancheninitiativen mit anderen Unternehmen zusammen. So sind wir beispielsweise Mitglied von Together for Sustainability (TfS), der Pharma Supply Chain Initiative (PSCI), der Responsible Mica Initiative und der Responsible Minerals Initiative (RMI). Wir fordern unsere Lieferanten dazu auf, dass sie durch uns oder durch vertrauenswürdige Partnerunternehmen Bewertungen oder Audits durchführen lassen. Diese Beurteilungen erhöhen die Transparenz in unserer Lieferkette und lassen erkennen, in welchen Bereichen die Nachhaltigkeitsleistung verbessert oder das Risiko von Verstößen reduziert werden kann.

Together for Sustainability – Bewertungen und Audits der Lieferanten

Die Initiative TfS bewertet Lieferanten entweder anhand der bei Audits gewonnenen Informationen oder anhand von Selbstauskünften und öffentlich zugänglichen Informationen. Letztere stellt die unabhängige Rating-Agentur EcoVadis bereit. EcoVadis bewertet Zulieferfirmen aus mehr als 160 Ländern und 200 Branchen in den Kategorien Umwelt, Arbeits- und Menschenrechte, Ethik sowie nachhaltige Beschaffung. Zusätzlich zu den Bewertungen werden die Lieferanten auch durch eine umfassende Beobachtung aktueller Pressemeldungen überwacht. Die TfS-Mitgliedsunternehmen erhalten – unter Einhaltung aller kartellrechtlichen Bestimmungen – Einsicht in diese Ergebnisse.

Allein über die TfS-Initiative haben wir Zugriff auf gültige Bewertungen von mehr als 1.700 unserer Lieferanten. Im Jahr 2022 unterzogen sich mehr als 1.100 unserer Lieferanten einer Erst- oder Neubewertung. Teilweise haben wir diese angestoßen, teils andere TfS-Mitglieder.

Glimmer-Lieferkette

Glimmer ist ein wichtiger Rohstoff für unsere Effektpigmente, die in der Automobil-, Kosmetik- und Kunststoffindustrie eingesetzt werden. Den größten Teil unseres Glimmers beziehen wir aus den indischen Bundesstaaten Jharkhand und Bihar. Um die hohen Sozial- und Umweltstandards in unserer Glimmer-Lieferkette einzuhalten, ergreifen wir besondere Maßnahmen. In den indischen Bundesstaaten Jharkhand und Bihar führen soziale und wirtschaftliche Faktoren zu schlechten Arbeitsbedingungen, einschließlich Kinderarbeit. Mit der Beschaffung von Glimmer aus Nordostindien unterstützen wir die Region: Wir erhalten Arbeitsplätze und bieten Menschen damit eine Existenzgrundlage. Den Rohstoff beziehen wir ausschließlich von Lieferanten, die in einem formellen Arbeitsumfeld tätig sind. Außerdem überwachen wir die Einhaltung unserer Standards, etwa das Verbot von Kinderarbeit.

Unsere Glimmer-Lieferanten sind über unsere Standards informiert und haben bestätigt, dass sie die Grundsätze unserer Menschenrechtscharta ebenso befolgen wie die Anforderungen unseres Verhaltenskodex für Lieferanten (ehemals Responsible Sourcing Principles). Hält ein Lieferant unsere Standards nicht ein, erarbeiten wir mit ihm geeignete Korrekturmaßnahmen und stellen sicher, dass sie umgesetzt werden.

Wir tolerieren keine Kinderarbeit und verbieten unseren Lieferfirmen vertraglich, Kinder zu beschäftigen. Sollte bei einem dieser Betriebe Kinderarbeit festgestellt werden, würden wir die Geschäftsbeziehung sofort beenden. Wir fördern Initiativen und ergreifen Maßnahmen, um die Bedingungen für die Glimmer-Beschaffung mit unseren hohen Standards noch besser in Einklang zu bringen. Um unsere Kontrollprozesse noch wirksamer zu gestalten, überprüfen wir sie fortlaufend.

Überprüfung unserer Glimmer-Lieferkette

Wir haben eine Reihe von Kontrollmechanismen eingeführt. Dazu betreiben wir ein System, das die Einhaltung unserer sozialen und ökologischen Standards überwacht und prüft. Zusätzlich zu Besuchen durch Mitarbeitende unseres Unternehmens finden regelmäßige Überprüfungen durch Dritte statt. Letztere führen sowohl umfassende angekündigte Audits als auch häufige unangekündigte Kontrollbesuche durch.

Environmental Resources Management (ERM), ein führendes internationales Beratungsunternehmen für Umwelt, Gesundheit, Sicherheit, Risiko und Soziales, führt externe Audits in Minen und verarbeitenden Betrieben durch. Dabei untersucht es Arbeitsbedingungen sowie Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsaspekte. Die Auditberichte dokumentieren festgestellte Mängel und empfehlen Korrekturmaßnahmen. Die in diesem Prozess festgestellten Probleme mit der Belüftung von Arbeitsplätzen und der Brandverhütung wurden erfolgreich angegangen. Unsere Mitarbeitenden in Kalkutta (Indien) und Darmstadt ergreifen anschließend Maßnahmen, um festgestellte Mängel zu beheben. Werden die Abhilfemaßnahmen nicht befolgt, behalten wir uns vor, die Geschäftsbeziehung auszusetzen oder gar zu beenden.

IGEP Consult, eine indische Nichtregierungsorganisation, führt seit 2013 regelmäßig unangekündigte Kontrollbesuche durch, um die Arbeitsstandards in unserer Lieferkette zu überprüfen. Bei diesen Besuchen kontrolliert die IGEP die Arbeitssicherheit sowie die Einhaltung der Gesetze zur Bekämpfung von Kinderarbeit. Im Jahr 2022 lag der Fokus der Inspektionen auf der Verfügbarkeit von ärztlichen Untersuchungen für die Arbeitnehmenden und auf der Durchführung von Brandübungen. Den Eskalationsprozess optimieren wir gemeinsam mit IGEP regelmäßig. In diesem werden in zweiwöchentlichen Sitzungen mit Vertretenden unseres Unternehmens Lieferantenbeurteilungen durchgeführt. Durch die Sitzungen können wir erforderliche Maßnahmen ermitteln, die unsere Beschaffungsteams im Anschluss mit unseren Lieferanten besprechen und umsetzen. Dadurch verbesserten unsere Lieferfirmen erfolgreich die Arbeitsbedingungen an diesen Standorten.

Bewertung und Nachverfolgung von Glimmer-Quellen

Ein Nachverfolgungssystem hilft uns zu gewährleisten, dass der von uns gekaufte Glimmer aus Quellen stammt, die von uns qualifiziert sind. Außerdem überprüfen wir mit diesem System die Produktivität der Minen. Anhand schriftlicher Aufzeichnungen über die täglichen Fördermengen überprüfen wir die gemeldeten und an die verarbeitenden Werke gelieferten Glimmer-Mengen. Darüber hinaus nutzen wir eine digitale Lösung zur Rückverfolgbarkeit, um die Transparenz in der Glimmer-Lieferkette zu erhöhen.

Um das Sorgfaltsniveau in unseren Prozessen hochzuhalten, überprüfen und verbessern wir diese ständig. Unter Berücksichtigung unserer Qualitäts-, Sozial- und Umweltstandards bewerten wir außerdem andere Beschaffungsquellen für Glimmer – in Indien und anderen Ländern der Welt. Im Berichtsjahr bezogen wir beispielsweise eine große Menge unseres Glimmers aus Brasilien. Auch dort richteten wir Kontrollmechanismen ein, um die Einhaltung unserer Standards zu überwachen.

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