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Bioethik

Unser Ziel ist es, Forschung in ethisch verantwortungsvoller Weise durchzuführen und ethische Leitlinien zu entwickeln, um auf deren Basis fundierte Entscheidungen treffen zu können. Der Nutzen für die verschiedenen Patientengruppen und ihr Wohlergehen stehen bei uns stets an erster Stelle. Das gilt für klinische Studien wie für die Behandlung mit unseren Arzneimitteln gleichermaßen; darüber hinaus ist die Produktbereitstellung zu akademischen Forschungszwecken oder für die biopharmazeutische Industrie betroffen. Bei kontroversen Themen wägen wir unsere Positionen sorgfältig ab.

Rollen und Verantwortlichkeiten

Seit 2010 spricht das Merck Ethics Advisory Panel for Science and Technology klare Empfehlungen zu wissenschafts- und technikethischen Themen und Fragestellungen aus, die – der Transformation unseres Unternehmens zu einem Wissenschafts- und Technologiekonzern entsprechend – auch über die reine Bioethik hinausgehen. Die Empfehlungen dienen als Richtschnur für unser Verhalten und unsere wirtschaftlichen Aktivitäten. Zwei unserer führenden wissenschaftlichen Mitarbeitenden aus dem Senior Management leiten gemeinsam das MEAP. Mitglieder des Panels sind renommierte externe Sachverständige aus der Bioethik, Medizin, Philosophie, Rechtswissenschaft, den Naturwissenschaften sowie Fachkundige aus den Bereichen Technik und Nachhaltigkeit. Das MEAP ist von der Geschäftsleitung eingesetzt.

Das Panel tagt mehrmals jährlich und kann bei dringenden ethischen Fragestellungen auch kurzfristig einberufen werden. Zusammenfassende Protokolle der Sitzungen sind in unserem Intranet abrufbar, ebenso wie die vom MEAP ausgesprochenen Empfehlungen. Unsere Mitarbeitenden können dem Gremium Diskussionsthemen zukommen lassen. Darüber hinaus stehen ihnen bei ethischen Bedenken sowohl unsere Compliance-Hotline als auch unser Bioethik-Team zur Seite.

Auf Empfehlung des MEAP wurde bereits 2013 unser Stem Cell Oversight Committee (SCROC) gegründet. Das Gremium überprüft und genehmigt alle internen Forschungsvorhaben, bei denen wir humane Stammzellen einsetzen möchten. Es gewährleistet, dass sowohl rechtliche Vorgaben als auch unsere ethischen Leitlinien eingehalten werden. Das betrifft auch gemeinsame Projekte mit externen Partnern. Das Komitee besteht aus internen Experten unserer Unternehmensbereiche sowie aus externem Fachpersonal aus den Bereichen Bioethik, Medizin sowie Recht.

Im Jahr 2022 erweiterten wir das Beratungsangebot zu Ethikthemen. Unser Ziel ist es, bei richtungsweisenden Geschäftsentscheidungen auch ethische Sichtweisen zu berücksichtigen. Dazu riefen wir das Projekt Ethics Foresight ins Leben: Hierbei unterstützen externe Experten und ausgewählte MEAP-Mitglieder unsere Mitarbeitenden aus den Geschäftsbereichen bei strategisch relevanten ethischen Belangen.

Wozu wir uns bekennen: Richtlinien und Standards

Unsere Richtlinie zur Genomeditierung (Genome Editing Principle) gibt unseren Mitarbeitenden einen verbindlichen ethischen und operativen Rahmen vor. Ergänzend dazu gibt es Richtlinien, die unsere ethischen Forschungs- und Geschäftstätigkeiten regeln. Unsere Richtlinie zur Nutzung von Stammzellen (Stem Cell Principle) setzt ethische Grenzen, innerhalb derer wir menschliche Stammzellen in unserer Forschung einsetzen. Unsere Richtlinie zur Fruchtbarkeitsforschung (Fertility Principle) reglementiert unsere Forschung zu Fruchtbarkeitsbehandlung und In-vitro-Fertilisation.

Nutzung von Technologien zur Genomeditierung

Mit CRISPR/Cas eröffnen sich neue Wege in der gentechnischen Forschung. Diese könnten beispielsweise bei der Behandlung schwerer Krankheiten große Fortschritte bewirken. Die Gesetze verschiedener Länder lassen unterschiedlich große Spielräume für die Anwendung dieser Methode zu. In der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskussion entwickeln sich seit Jahren bioethische Positionen zur Keimbahnveränderung (Germline Editing). Unsere Position zur Veränderung der menschlichen Keimbahn lautet wie folgt:

„Im Einklang mit dem Embryonenschutzgesetz unterstützen wir weder die Anwendung der Genomeditierung bei menschlichen Embryos noch die klinische Anwendung von Keimbahneingriffen beim Menschen. Wir erkennen an, dass eine verantwortungsbewusst durchgeführte Forschung auf diesem Gebiet wertvoll sein kann.“

Stammzellenforschung

Wir beteiligen wir uns nicht an klinischen Studien, die menschliche embryonale Stammzellen oder geklonte menschliche Zellen zur Behandlung von Krankheiten einsetzen. Ebenso wenig verfolgen wir selbst derartige Ansätze. In unserer Forschung kommen menschliche embryonale Stammzellen aber durchaus zum Einsatz. Außerdem bieten wir unseren Kunden einige ausgewählte Stammzelllinien an. In beiden Bereichen erlauben wir den Einsatz menschlicher embryonaler Stammzellen aber nur dann, wenn klar definierte Bedingungen erfüllt sind. So verwenden wir Stammzellen nur dann für Forschungszwecke, wenn unser SCROC das jeweilige Projekt geprüft und genehmigt hat. Im Geschäftsjahr 2022 erfolgte diese Überprüfung und Genehmigung in einem Fall. Wir verwenden ausschließlich Zelllinien, die erstens vom United States National Institutes of Health (NIH) zugelassen, zweitens nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz erlaubt und drittens nach dem deutschen Stammzellgesetz zulässig sind.

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