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Healthcare*

Im Unternehmensbereich Healthcare stellen wir an unsere Forschung den Anspruch, positive Veränderungen für Patientinnen und Patienten bewirken zu können – immer mit dem Ziel, Leben zu erschaffen, zu verbessern oder zu verlängern.

Im November 2022 gaben wir bekannt, dass wir anvisieren, im Schnitt alle 1,5 Jahre ein neues Produkt oder eine neue Indikation einzuführen, unterstützt durch externe Innovation. Unser unternehmensweiter fokussierter Führungsansatz beim Ausbau der Pipeline basiert auf unserem ausgewiesenen Know-how bei den zugrundeliegenden biologischen Prozessen unserer Schlüsseltherapiegebiete Onkologie, Neurologie und Immunologie und unseren technologischen Kompetenzen. Indem wir auf unsere vorhandenen Stärken bauen und Synergien innerhalb unserer unternehmensinternen Wirkstoff-Pipeline und mit externen Wirkstoffkandidaten maximieren, werden wir eine nachhaltige Produktivität im Bereich F&E sicherstellen, die zu innovativen Medikamenten für therapiebedürftige Patienten führt.

Onkologie

Die Onkologie ist ein Schwerpunktbereich in unserem F&E-Portfolio, denn wir möchten bahnbrechende Therapien ermöglichen. Die translationale Forschung ist in den gesamten F&E-Prozess eingebettet; gleich mehrere Projekte verfolgen innovative Behandlungsansätze und neuartige Kombinationen mit dem Ziel, den unerfüllten Bedarf von Patienten mit schwer zu behandelnden Krebserkrankungen zu decken. 2022 erreichten wir in Bezug auf unsere Onkologie-Pipeline mehrere wichtige Meilensteine.

Wir wollen unserem Anspruch gerecht werden, neue Behandlungsstandards für verschiedene Tumorarten für möglichst viele Patienten weltweit zu setzen. So erhielten wir im Geschäftsjahr 2022 neue Zulassungen für die von uns vertriebenen Therapien in weiteren Ländern weltweit.

Bavencio® (Avelumab) ist ein humaner Antikörper, der gegen den programmierten Zelltod-Liganden (PD-L1) gerichtet ist, den wir gemeinsam mit Pfizer Inc. (USA) entwickeln und vermarkten. Bavencio® ist nun in 63 Ländern zugelassen als Erstlinien-Erhaltungstherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom, das unter platinbasierter Chemotherapie nicht fortgeschritten war. Bavencio® wurde von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) für diese Indikation erstmals im Juni 2020 zugelassen. Bavencio® ist als Monotherapie zur Behandlung des metastasierten Merkelzellkarzinoms inzwischen in 63 Ländern und in Kombination mit Axitinib zur Behandlung des fortgeschrittenem Nierenzellkarzinoms in 60 Ländern zugelassen.

Im Februar 2022 erteilte die Europäische Kommission die Zulassung für Tepmetko® (Tepotinib), unseren aus der unternehmenseigenen Entwicklung stammenden oralen MET-Inhibitor, als Monotherapie zur Behandlung von fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) mit zu Exon 14 Skipping führenden Veränderungen im Mesenchymal-Epithelial-Transition-Gen (METex14-Skipping) bei erwachsenen Patienten, die nach einer vorausgegangenen Immuntherapie und/oder platinhaltigen Chemotherapie eine systemische Therapie benötigen. Tepotinib ist inzwischen in einigen Ländern weltweit erhältlich.

Im Rahmen unserer Bemühungen, möglichst vielen Patienten Zugang zu unseren Medikamenten zu ermöglichen, untersuchen wir diese Medikamente in neuen Settings. Gleichzeitig arbeiten wir an vielversprechenden Molekülen aus unserer Pipeline. Im Geschäftsjahr 2022 initiierten wir die Phase-II-Studie JAVELIN Bladder Medley. Diese randomisierte Dachstudie untersucht, ob eine Optimierung der Erstlinien-Erhaltungstherapie durch Verabreichung einer neuartigen Therapie zusätzlich zu Avelumab die Therapieergebnisse für Patienten mit fortgeschrittenem Urothelkarzinom ohne Krankheitsprogression nach platinbasierter Erstlinien-Chemotherapie verbessern könnte. JAVELIN Bladder Medley untersucht die Avelumab-Monotherapie im Vergleich zur Kombinationsbehandlung aus Avelumab mit dem unternehmenseigenen Anti-TIGIT-Antikörper M6223 sowie Avelumab in Kombination mit dem Interleukin-15 (IL-15) -Rezeptoragonisten NKTR-255 von Nektar Therapeutics und in Kombination mit Trodelvy® (Sacituzumab Govitecan) von Gilead Sciences.

Mit dem Phase-III-Entwicklungsprogramm für Xevinapant, den potenziell ersten Antagonisten von Apoptose-Inhibitoren (IAP), bauen wir auf unserer langjährigen Führungsrolle bei der Behandlung von Plattenepithelkarzinomen des Kopfes und Halses (SCCHN) auf. Wir starteten 2022 die zweite Phase-III-Studie XRay Vision (NCT05386550), eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie zur Wirksamkeit und Sicherheit von Xevinapant im Vergleich zu Placebo bei Kombination mit einer adjuvanten, post-operativen Strahlentherapie bei Patienten mit reseziertem, lokal fortgeschrittenen (LA) SCCHN, die ein hohes Rezidivrisiko haben und nicht für eine Cisplatin-Behandlung infrage kommen. Für die Studie TrilynX (NCT04459715) läuft weiterhin die Rekrutierung. Diese internationale Studie untersucht als eine von zwei klinischen Phase-III-Studien im randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Setting die Wirksamkeit und Sicherheit von Xevinapant im Vergleich zu Placebo bei Verabreichung zusätzlich zur definitiven Radiochemotherapie (RCT) bei Patienten mit nicht-reseziertem lokal fortgeschrittenen SCCHN.

Im Geschäftsjahr 2022 erzielten wir auch Fortschritte bei unserem Anspruch, innovative Krebsmedikamente der nächsten Generation bereitzustellen. So erreichen zwei Substanzen aus unserer Pipeline nun die Phase der klinischen Studien. Aktuell laufen Phase-I-Studien mit unserem auf CEACAM5 abzielenden Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC) M9140 und unserem A2aR/A2bR-Antagonisten M1069 bei fortgeschrittenen soliden Tumoren. M9140, das erste Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC), das in die klinische Entwicklung geht und auf unserer intern entwickelten Technologie basiert, wies ein überzeugendes präklinisches Profil mit hoher Antitumoraktivität in zahlreichen Modellen und ein geeignetes Sicherheitsprofil auf.

Im Laufe des Geschäftsjahres veröffentlichten wir auf wichtigen Kongressen neue Datenanalysen zu unseren vertriebenen und in der Entwicklung befindlichen Krebstherapien.

Auf dem American Society of Clinical Oncology (ASCO) Genitourinary Cancers Symposium vom 17. bis 19. Februar 2022 stellten wir die Ergebnisse einer explorativen Analyse der Phase-III-Studie JAVELIN Bladder 100 vor, in die Daten aus weiteren 19 Monaten der Nachbeobachtung seit der ersten primären Analyse eingeflossen sind. Diese Analyse untermauerte die ursprünglichen Ergebnisse und belegte, dass Bavencio® plus bestmögliche Begleitbehandlung (Best Support Care; BSC) als Erstlinien-Erhaltungstherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Urothelkarzinom (UC), deren Tumorerkrankung unter platinbasierter Chemotherapie nicht fortgeschritten war, das mediane Gesamtüberleben (OS) im Vergleich zu alleiniger BSC um 8,8 Monate verlängerte.

Im Juni präsentierten wir auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) 30 Abstracts mit wegweisenden Ergebnissen aus unserem breit aufgestellten klinischen Onkologie-Portfolio. Ausgewählte Highlights:

Neue Analysen von Langzeitdaten der Phase-III-Studie JAVELIN Bladder 100 zu Bavencio® als Erstlinien-Erhaltungstherapie bei fortgeschrittenem UC, einschließlich Daten aus gemäß bestem Ansprechen auf Erstlinien-Chemotherapie definierten Subgruppen, sowie bei Patienten, die im Anschluss an die Bavencio®-Erhaltungstherapie eine beziehungsweise keine Zweitlinientherapie erhielten.

Daten zum oralen MET-Inhibitor Tepmetko® wurden in zwei Posterpräsentationen mit Ergebnissen aus der VISION-Studie vorgestellt: Zum einen die Wirksamkeit und Sicherheit von Tepmetko® und die aus der Behandlung resultierende Lebensqualität bei asiatischen Patienten mit NSCLC und METex14-Skipping; zum anderen aktualisierte Wirksamkeits- und Sicherheitsergebnisse zu Tepmetko® sowie explorative Biomarkeranalysen bei Patienten mit NSCLC und hochgradiger MET-Amplifikation, die auf Basis einer Flüssigbiopsie in die Kohorte B der VISION-Studie aufgenommen wurden.

Abstracts zu relevanten Prüfarzt-initiierten Studien (ISS), in denen Kombinationstherapien mit Erbitux® untersucht werden, darunter die Phase-III-Studie FIRE-4 mit frühem Wechsel von einer anti-EGFR-Therapie mit Erbitux®/Folfiri auf eine antiangiogenetische Erhaltungstherapie mit Bevacizumab/5-FU (Switch-Maintenance-Therapie) und Reexposition in späteren Behandlungslinien bei Patienten mit metastasiertem CRC mit RAS-Wildtyp, sowie die Phase-II-Studie Avetuxiri, in der Bavencio® in Kombination mit Erbitux® und Irinotecan bei refraktärem Mikrosatelliten-stabilem metastasierten CRC untersucht wird.

Auf der Jahrestagung der European Society of Medical Oncology (ESMO) vom 9. bis 13. September 2022 präsentierten wir in insgesamt 29 Abstracts, einschließlich fünf Vorträgen zu hochaktuellen Daten und zwei zusätzlichen Kurzvorträgen, Daten mit wegweisendem Potenzial für Krebspatienten.

Die neuesten Daten aus der Phase-II-Studie mit 96 Patienten nach fünf Jahren ergaben, dass die Behandlung mit Xevinapant plus Radiochemotherapie (RCT) die Langzeit-Wirksamkeitsergebnisse bei Patienten mit nicht-reseziertem, lokal fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom des Kopfes und Halses (LA SCCHN) deutlich verbesserte. Durch den Zusatz von Xevinapant verringerte sich das Sterberisiko innerhalb von fünf Jahren im Vergleich zu Placebo um mehr als die Hälfte. Dies ist die erste randomisierte Studie seit Jahrzehnten mit signifikanter Verbesserung der Gesamtüberlebenszeit bei Patienten mit LA SCCHN. Sie bekräftigt das bahnbrechende Potenzial von Xevinapant gegenüber dem bisherigen Behandlungsstandard.

  • Erste Ergebnisse aus der Phase-II-Studie INSIGHT zu Tepmetko® (Tepotinib) plus Osimertinib zur Behandlung von Patienten mit EGFR-mutiertem nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom (NSCLC) mit MET-Amplifikation (METamp) nach Progression unter Erstlinienbehandlung mit Osimertinib zeigten ermutigende Anzeichen klinischer Aktivität dieses gezielten, oralen Regimes ohne Chemotherapeutika.
  • In einem Kurzvortrag präsentierten wir Daten zu DDRiver Solid Tumors 301 aus der Phase-I-Erststudie am Menschen zu M1774, dem potenziell besten dieser Wirkstoffklasse, potenten und selektiven Inhibitor der Proteinkinase Ataxia Telangiectasia and Rad3-related (ATR). Die Daten belegen ein günstiges Sicherheitsprofil und pharmakologisch relevante Exposition bei Patienten mit fortgeschrittenen soliden Tumoren. Diese Forschung unterstreicht damit unseren Anspruch, die Mechanismen der Inhibition einer DNA-Reparatur (DDR) weiter aufzuklären.
  • Als Late Breaker präsentierten wir translationale Daten zu Bavencio®, die genomische Biomarker in peripherem Blut von Patienten der Phase-III-Studie JAVELIN Bladder 100 charakterisieren. Darüber hinaus präsentierten wir explorative Analysen der Studie JAVELIN Bladder 100 zur Untersuchung der klinischen Ergebnisse bei Langzeit-Respondern mit fortgeschrittenem Urothelkarzinom, die über einen Zeitraum von ≥ 12 Monaten Bavencio® als Erstlinien-Erhaltungstherapie erhalten hatten.
  • Zusätzliche Daten zu Tepmetko® enthielten Ergebnisse aus den Kohorten A und C der Phase-II-Studie VISION. Sie belegten eine stabile, anhaltende Wirksamkeit bei unbehandelten wie auch vorbehandelten Patienten mit metastasiertem NSCLC mit METex-14-Skipping. Bei den vorbehandelten Patienten wurde eine Wirksamkeit unabhängig von der Art der vorausgegangenen Therapien einschließlich immunonkologischer Wirkstoffe und/oder platinbasierter Chemotherapie beobachtet.

Am 3. Juni 2022 gaben wir bekannt, dass nach einer Interimsanalyse der laufenden globalen Phase-II-Studie DDRiver SCLC 250 zu Berzosertib in Kombination mit Topotecan bei Patienten mit rezidiviertem, platinresistentem kleinzelligem Bronchialkarzinom (SCLC) entschieden wurde, die Studie zu beenden aufgrund der geringen Wahrscheinlichkeit, das vordefinierte Studienziel zu erreichen. Das Sicherheitsprofil der Behandlung mit Berzosertib plus Topotecan deckte sich mit dem, das bisher in anderen Studien beobachtet wurde. Die aktuelle Entwicklung unseres ATR-Inhibitors M1774 wird sich auf Erkenntnisse stützen, die Untersuchungen zu Berzosertib hervorgebracht haben. Berzosertib wurde bisher bei ca. 1.000 Patienten in unterschiedlichen Kombinationen einschließlich Chemotherapie, Strahlentherapie, Immuntherapie und PARP-Inhibitoren im Rahmen von Prüfarzt-initiierten sowie vom Unternehmen gesponserten Studien untersucht.

Zur Stärkung unserer gezielten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten an der DDR-Inhibition haben wir im September 2022 eine Kooperationsvereinbarung einschließlich einer Lizenzoption mit Nerviano Medical Sciences S.r.l. abgeschlossen. Die Behandlung mit NMS-293 birgt großes Potenzial bei vielen Tumorarten in Kombination mit einer großen Bandbreite an DNA-schädigenden Wirkstoffen, einschließlich systemischer oder zielgerichteter Chemotherapien (Antikörper-Wirkstoff-Konjugate), oder mit DNA-Reparatur-Inhibitoren. NMS-293 wird derzeit im Rahmen der frühen klinischen Entwicklung als Monotherapie bei Patienten mit BRCA-mutierten Tumoren sowie in Kombination mit Temozolomid bei rezidivierendem Glioblastom untersucht. Diese Lizenzoption bietet uns die Möglichkeit zur Entwicklung eines PARP-Inhibitors der nächsten Generation in Kombination mit unserer Pipeline an DDR-Inhibitoren und DNA-schädigenden ADCs in der Frühphase.

Neurologie & Immunologie

Multiple Sklerose (MS) ist eine der weltweit häufigsten neurologischen Erkrankungen. Trotz des Aufkommens verschiedener neuer Therapien in den letzten beiden Jahrzehnten besteht nach wie vor ein erheblicher unerfüllter Bedarf bei MS-Patienten. Als Unternehmen verfügen wir über mehr als 20 Jahre Erfahrung im Bereich der MS-Forschung. Wir bleiben unserem Ziel treu, Lösungen zu finden, mit denen der hohe ungedeckte medizinische Bedarf für diese Patienten befriedigt werden kann.

Im Geschäftsjahr 2022 stellten wir auf verschiedenen wichtigen Kongressen neue Daten zu unserer Prüftherapie Evobrutinib und zu Mavenclad® (Cladribin-Tabletten) vor, unter anderem auf dem ECTRIMS Kongress des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis im Oktober, der Jahrestagung der American Academy of Neurology (AAN) im April und dem ACTRIMS Forum des Americas Committee for Treatment Research in Multiple Sclerosis im Februar.

Auf der Jahrestagung des ECTRIMS präsentierten wir insgesamt 39 Abstracts, unter anderem Daten aus der längsten und umfangreichsten Analyse von BTK-Inhibitoren in der Entwicklung für schubförmige MS (RMS). Diese Daten zeigen bei RMS-Patienten, die mit Evobrutinib behandelt werden, eine lang andauernde Krankheitsstabilisierung und belegen, dass die annualisierte Schubrate (ARR) niedrig und die EDSS-Scores (Expanded Disability Status Scale) unverändert blieben. Darüber hinaus präsentierten wir die Phase-IV-Studie, die mit verbesserter Lebensqualität von RMS-Patienten nach zweijähriger Behandlung mit Mavenclad® aufwartet.

Auf der Jahrestagung der AAN präsentierten wir neue Phase-II-Daten, die für Evobrutinib anhaltende niedrige annualisierte Schubraten (ARRs) bei ausbleibenden neuen Sicherheitssignalen nach 2,5 Jahren Nachbeobachtung belegen. Des Weiteren bestätigen aktualisierte Sicherheitsdaten, dass mit Mavenclad® (Cladribin-Tabletten) behandelte MS-Patienten, die gesichert oder vermutet an Covid-19 erkrankten, leichte bis mittelschwere Krankheitssymptome und kein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Verläufe hatten.

Auf dem ACTRIMS Forum präsentierten wir neue Daten zu Mavenclad®, die günstige Wirksamkeitsergebnisse gegenüber anderen oralen Basistherapien sowie ein geringeres Auftreten von weiteren Schüben oder Behinderungsprogression zeigten. Zusätzliche Daten aus klinischen Studien haben gezeigt, dass bei Patienten, die früh nach einem ersten klinischen demyelinisierenden Ereignis mit Mavenclad® behandelt wurden, weitere Schübe oder Behinderungsprogression in geringerem Ausmaß auftraten als unter Placebo.

Fertilität

Auf der Jahrestagung 2022 der European Society of Human Reproduction and Embryology (ESHRE) kündigten wir im Juli eine klinische Studie für eine neuartige intelligente Lösung zur Überwachung der Hormonwerte von Patientinnen unter Fertilitätsbehandlung an. Hierbei handelt es sich um ein nicht-invasives Gerät, mit dem Frauen ihre Hormonspiegel bequem von zu Hause kontrollieren können. Behandelnde Kliniken können zudem die Werte per Fernabfrage überwachen und sie für ihre Behandlungsentscheidungen nutzen. Wir hoffen, mit diesem Gerät sowohl die Erfahrungen der Patientinnen als auch die Effizienz der Arbeitsabläufe in den Kinderwunschzentren zu verbessern, indem wir den Komfort und die Flexibilität erhöhen. Im August wurde die erste Patientin in die Studie aufgenommen.

Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- & endokrine Erkrankungen (CM&E)

Die neue Formulierung von Euthyrox® (Levothyroxin) zur Behandlung der Hypothyreose wurde 2022 unter anderem in Chile, in Brunei und im Senegal zugelassen, sodass diese inkrementelle Innovation, die eine präzisere Dosierung ermöglicht, nun in insgesamt 91 Ländern registriert ist.

Glucophage®, ein Metformin-Präparat und das Mittel der Wahl für die Erstlinienbehandlung von Typ-2-Diabetes, ist in über 100 Ländern erhältlich. Zudem ist es nun in 69 Ländern bei Prädiabetes zugelassen, wenn eine Lebensstiländerung nicht ausreicht, um die Erkrankung zu beherrschen. Nach einer erfolgreichen Zulassungserweiterung für Glucophage® und Glucophage® XR im Geschäftsjahr 2022 sind unsere Metformin-Produkte in den zugelassenen Indikationsgebieten als erstes Medikament in der Schwangerschaft und im Zeitraum der Empfängnis zugelassen. Die Zulassungsänderung für den Wirkmechanismus, die ebenfalls im Geschäftsjahr in der EU erreicht wurde, ist ein Beleg dafür, dass der Wissensstand und die Möglichkeiten rund um Metformin im Diabetes-Kontinuum noch nicht ausgeschöpft sind.

Concor®/Concor Cor® mit dem Wirkstoff Bisoprolol ist ein Betablocker zur Behandlung von Hypertonie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie der koronaren Herzkrankheit und chronischer Herzinsuffizienz. Zur Concor®-Familie gehören außer Concor®/Concor Cor® auch Festdosis-Kombinationen wie Concor Plus®/Lodoz® (Bisoprolol mit Hydrochlorothiazid) und Concor AM® (Bisoprolol mit Amlodipin). Im Geschäftsjahr 2022 war unsere Festdosis-Kombination zur Behandlung von Hypertonie in 68 Ländern zugelassen.

Versorgung unserer Patienten mit unseren Arzneimitteln sicherstellen

Wir sind bestrebt, Patienten auf der ganzen Welt unter allen Umständen stets mit unseren hochwertigen Arzneimitteln zu versorgen und gleichzeitig die höchsten Gesundheits- und Sicherheitsstandards für unsere Mitarbeitenden und Partner einzuhalten.

Seit dem Beginn der Covid-19-Pandemie setzen wir alles daran, der Situation proaktiv zu begegnen und die Auswirkungen der Pandemie sowie von weiteren externen Herausforderungen auf die lokale und globale Versorgung mit unseren Medikamenten zu minimieren. Dazu setzen wir auf drei zentrale Hebel: konsequente Umsetzung und Weiterentwicklung unserer Geschäftskontinuitätspläne in unserem gesamten Netzwerk, aktive Steuerung von Beständen sowie Prüfung alternativer Transportwege, um unsere Kunden und Patienten zu erreichen.

Vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine ergriffen wir eine Reihe von Maßnahmen, um die Patienten, die in den betroffenen Ländern auf unsere Medikamente angewiesen sind, unter strikter Einhaltung der internationalen Sanktionen weiterhin so gut wie möglich zu versorgen. Hierzu zählen zum Beispiel die kontinuierliche Überwachung und Aktualisierung unserer Bedarfspläne, der Aufbau von Sicherheitsbeständen vor Ort, die beschleunigte Auslieferung von Produkten von unseren europäischen Standorten in die betroffenen Länder und die Festlegung von Ausweichrouten für den Lufttransport zusätzlich zum Lkw-Transport, um jederzeit höchste Flexibilität zu ermöglichen.

Zukunftsgerichtete Investitionen

Im Rahmen unseres Engagements für eine beschleunigte Erforschung und Verfügbarkeit von zukünftigen Arzneimitteln für therapiebedürftige Patienten feierten wir an unserer Konzernzentrale in Darmstadt im Juli die Grundsteinlegung unseres Translational Science Center sowie im September den Spatenstich für unser Launch and Technology Center. Beide Gebäude sollen bis Jahresende 2025 voll betriebsfähig sein und sind Teil eines Investitionspakets in Höhe von 1,5 Mrd. €, das wir im März ankündigten.

Das Translational Science Center, in das wir 200 Mio. € investieren, ist ein 30.000 Quadratmeter großes, voll integriertes, vielseitig nutzbares Gebäude mit Laboren, einem Hörsaal und Büroflächen, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen neue Wege in der Forschung beschreiten können – von der Identifizierung krankheitstypischer Biomarker bis zur Entwicklung zielgerichteter Therapien.

Mit einer Investitionssumme von 160 Mio. € errichten wir das Launch and Technology Center. Auf einer Fläche von 13.900 Quadratmetern bietet es eine hoch technologisierte Arbeitsumgebung mit dem Menschen im Mittelpunkt. Wir wollen damit eine Brücke zwischen Forschung und kommerzieller Herstellung schlagen und sicherstellen, dass die künftigen Arzneimittel von Merck zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Qualität und in der richtigen Menge für klinische Studien, weltweite Markteinführungen und die Marktversorgung zur Verfügung stehen.

Biopharma-Pipeline

Stand: 31. Dezember 2022

 

 

 

 

Therapiegebiet
Wirkstoff

 

Indikation

 

Status

 

 

 

 

 

Neurologie

 

 

 

 

Evobrutinib (BTK-Inhibitor)

 

Multiple Sklerose

 

Phase III

 

 

 

 

 

Immunologie

 

 

 

 

Enpatoran (TLR7/8 Antagonist)

 

Systemischer Lupus erythematodes/Kutaner Lupus erythematodes

 

Phase II

 

 

 

 

 

Onkologie

 

 

 

 

Xevinapant (IAP-Inhibitor)

 

Lokal fortgeschrittenes Plattenepithelkarzinom des Kopfes und des Halses – bei nicht resezierten Patienten, die für Cisplatin in Frage kommen1

 

Phase III

Xevinapant (IAP-Inhibitor)

 

Lokal fortgeschrittenes Plattenepithelkarzinom des Kopfes und des Halses – bei resezierten Patienten, die für Cisplatin nicht in Frage kommen

 

Phase III

Tepotinib (MET-Kinase-Inhibitor)

 

Nicht-kleinzelliges Bronchialkarzinom, EGFR-mutiert, MET-amplifiziert2

 

Phase II

Avelumab (Anti-PD-L1 mAb) + Kombinationstherapien

 

Lokal fortgeschrittenes oder metastasiertes Urothelkarzinom3

 

Phase II

M1774 (ATR-Inhibitor)

 

Solide Tumoren4

 

Phase Ib

M4076 (ATM-Inhibitor)

 

Solide Tumoren

 

Phase Ia

M1231 (Bispezifischer MUC1xEGFR Antikörper-Wirkstoff-Konjugat)

 

Solide Tumoren

 

Phase Ia

M9140 (Anti-CEACAM5 Antikörper-Wirkstoff-Konjugat)

 

Solide Tumoren

 

Phase Ia

M6223 (Anti-TIGIT mAb)

 

Solide Tumoren5

 

Phase Ib

M1069 (A2aR_A2bR Antagonist)

 

Solide Tumoren

 

Phase Ia

 

 

 

 

 

Global Health

 

 

 

 

Arpraziquantel (anthelmintic)

 

Pädiatrische Schistosomiasis

 

Zulassung

M5717 (PeEF2-Inhibitor)

 

Malaria

 

Phase I

Sofern nicht anders vermerkt, werden klinische Programme, die in Zusammenarbeit mit externen Partnern durchgeführt werden, nicht dargestellt, es sei denn, Merck hat Miteigentümerschaft an den Daten. Weitere Informationen zu den laufenden klinischen Studien finden Sie unter www.clinicaltrials.gov. Produkte in der Pipeline befinden sich in der klinischen Prüfung und ihre Sicherheit und Wirksamkeit ist noch nicht erwiesen. Es gibt keine Garantie, dass ein Produkt in der angestrebten Indikation zugelassen wird.

 

1

In Kombination mit Cisplatin und Strahlentherapie bei nicht resezierten LA SCCHN Patienten, die für Cisplatin in Frage kommen.

2

In Kombination mit Osimertinib.

3

Kombinationstherapien umfassen Sacituzumab Govitecan, NKTR-255 und M6223.

4

Studie zur Monotherapie und in Kombination mit Niraparib und M4076 ATMi.

5

Einschließlich Kombinationstherapien mit anderen Wirkstoffen als Avelumab.

 

A2aR_A2bR: A2A und A2B Adenosinrezeptoren.

ADC: Antikörper-Wirkstoff-Konjugate

ATM: ATM-Serin/Threonin-Kinase

ATR: ATR-Protein (Ataxia Telangiectasia and Rad3-related)

BTK: Bruton-Tyrosinkinase

CEACAM5: Karzinoembryonales Antigen-verwandtes Zelladhäsionsmolekül 5

EGFR: Epidermaler Wachstumsfaktor Rezeptor

IAP: Apoptose-Inhibitoren

mAb: Monoklonaler Antikörper

MET: MET-Proto-Onkogen, Rezeptortyrosinkinase

MUC1: Mucin 1, Zelloberflächen-assoziiert

Phase Ia: Dosisfindung

Phase Ib: Dosiserhöhung/Dosisexpansion und Signalsuche

PD-L1: Programmierter Zelltod-Ligand 1

PeEF2: Plasmodium Eukaryotischer Elongationsfaktor 2

TGF-β: Transformierender Wachstumsfaktor Beta

TIGIT: T-Zell-Immunrezeptor mit Ig- und ITIM-Domänen

TLR7/8: Toll-like-Rezeptoren 7 und 8

* Die Inhalte dieses Kapitels bzw. dieses Abschnitts sind freiwillige Angaben und daher nicht geprüft. Unser Abschlussprüfer hat den Text jedoch kritisch gelesen.

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