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Forschung und Entwicklung

Wissenschaft ist das Herzstück unserer Arbeit. Wir erforschen und entwickeln weltweit Wege und Lösungen, um die Lebensqualität von Patienten zu verbessern und die Bedürfnisse unserer Kunden zu erfüllen. Dabei sind wir stets darauf bedacht, Relevanz und Effizienz unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten weiter zu optimieren – ob eigenständig oder in Kooperation mit Dritten.

Rund 7.700 Mitarbeitende (Vorjahr: rund 8.300 Mitarbeitende) arbeiteten im Geschäftsjahr 2022 in den Bereichen Forschung und Entwicklung sowie entsprechenden unterstützenden Funktionen. Sie beschäftigten sich mit Innovationen, mit denen wir die langfristigen Gesundheits- und Technologietrends sowohl in den etablierten Märkten als auch in den Wachstumsmärkten bedienen können.

Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (F&E) betrugen im Berichtsjahr 2,5 Mrd. € (Vorjahr: 2,4 Mrd. €).

Die organisatorische Aufstellung unserer F&E-Aktivitäten folgt der Struktur von Merck mit drei Unternehmensbereichen. Im Unternehmensbereich Life Science konzentrieren sich unsere Forschungsaktivitäten auf die Entwicklung innovativer Technologien für Labor- und Life-Science-Anwendungen in staatlichen und akademischen Laboren, in der biopharmazeutischen Industrie sowie im industriellen Bereich. Unser Fokus liegt weiterhin auf digitalisierten und automatisierten Laborbedarfsartikeln, der DNA-Aufreinigung für Downstream-Prozesse, neuartiger chemischer Synthese sowie der Software für unsere BioContinuum™-Plattform zur Beschleunigung von Biopharma 4.0. Zugleich widmen sich unsere Teams kontinuierlich der Weiterentwicklung unserer Kernprodukte, wie etwa Filtration, Reinwasser für den Laborbedarf und diagnostische Lösungen. Im Unternehmensbereich Healthcare stellen wir an unsere F&E-Pipeline den Anspruch, positive Veränderungen für Patienten bewirken zu können – immer mit dem Ziel, Leben zu erschaffen, zu verbessern oder zu verlängern. Zu unseren Hauptforschungsgebieten zählen Onkologie, Immunonkologie und Immunologie einschließlich multipler Sklerose. Der Hauptfokus der Forschung des Unternehmensbereichs Electronics liegt in der Entwicklung innovativer Materialien und Technologien, die für die Herstellung von immer kleineren, schnelleren und leistungsstärkeren Prozessoren und Speicherchips benötigt werden. Darüber hinaus entwickelt Electronics neuartige Materialien für Displays der nächsten Generation und funktionelle und dekorative Effektpigmente für den Einsatz in der Automobil- und Kosmetikindustrie sowie bei anderen industriellen Anwendungen.

Wir sind der festen Überzeugung, dass Wissenschaft nicht in Silos erfolgen sollte. Wir sind uns sicher, dass die nächste Welle des menschlichen Fortschritts durch einen modernen, multidisziplinären Wissenschaftsansatz ausgelöst wird. Diesen Ansatz nennen wir Biokonvergenz – denn er stützt sich auf Synergien aus digitaler Wissenschaft, Materialforschung und Biotechnologie. Wer erfolgreich neuartige Marktlösungen entwickeln will, muss über verschiedene Disziplinen hinweg eine breite Mischung an Kompetenzen und Technologien bieten können. Wir sind ein diversifiziertes Wissenschafts- und Technologieunternehmen, das in den Bereichen Life Science, Healthcare und Electronics eine Pionierrolle spielt. Daher sind wir in der glücklichen Lage, auch in diesem neuen Feld voranzugehen. Wir wollen nicht nur innerhalb von Unternehmensbereichen, sondern auch zwischen ihnen Synergien schaffen. Auf diese Weise können wir viel schneller und effizienter Innovationen anstoßen, die zudem deutlich stärkere Wirkung entfalten.

Dies sind einige der Chancen, an denen wir an der Schnittstelle zwischen unseren Unternehmensbereichen und konvergenten Technologien arbeiten:

  • Wir arbeiten weiter am Aufbau unserer automatisierten Entwicklungs-, Herstellungs-, Test- und Analyse-Plattform. Dies wird die Entdeckung neuer und besserer Wirkstoffkandidaten beschleunigen und somit auch die Zeit verkürzen, bis neue Therapien den Patienten zur Verfügung stehen – ein erheblicher Beitrag zur Revolutionierung der Wirkstofffindung.
  • Im gesamten Konzern nutzen wir unsere Kompetenzen in der Synthese von mRNA (messenger-Ribonukleinsäure), in der Synthese, Formulierung und gezielten Abgabe von Lipid-Nanopartikeln (LNP) sowie in der Künstlichen Intelligenz (KI). Damit wollen wir die Entwicklung „smarter“ LNPs ermöglichen, die effektiver in unterschiedliche Gewebetypen eindringen können, einschließlich schwer erreichbarer biologischer Targets zur Behandlung verschiedener Erkrankungen.
  • Wir entwickeln digitale Zwillinge für den Bereich Smart Manufacturing. Bei den digitalen Zwillingen handelt es sich um virtuelle Modelle, die ein physisches Objekt oder einen physischen Organismus präzise nachbilden. Daher können sie helfen, den Zeitaufwand, die Kosten, Qualität und Nachhaltigkeit der Fertigung sowie die Prozessoptimierung und Produktentwicklung zu verbessern. Beispielsweise lassen sich so die Rückverfolgbarkeit und die Zuverlässigkeit der pharmazeutischen Lieferkette optimieren. Wir haben ein Modell für Primärverpackungen in der Pharmabranche entwickelt und in Kooperation mit einem Partner den Proof of Concept erbracht. Autorisierte Stakeholder aus der Lieferkette erhalten in unserem Modell sofortigen Zugriff auf Qualitäts- und Prozessdaten der Produkte – auf Einzelpostenebene.

Hochwertige, untereinander kompatible Daten bieten in Kombination mit Analysen und KI ein ungeahntes Potenzial für neue digitale Geschäftsmodelle, die an unser derzeitiges Produktangebot angrenzen und zusätzliche Wachstumschancen erschließen. Beispiele hierfür sind Syntropy und Athinia™, partnerschaftliche Unternehmungen mit Palantir.

Syntropy bietet eine Umgebung für die Datenintegration und -analyse, in der Unternehmen aus dem Gesundheitswesen die unterschiedlichsten Datentypen in ihrem gesamten Ökosystem unbegrenzt und sicher kontextualisieren und analysieren können. Dies ermöglicht es den Fachleuten, beim Kampf gegen Krebs und andere Krankheiten enger zusammenzuarbeiten. Neben bestehenden Kooperationen – zum Beispiel mit Mitre, dem University of Texas MD Anderson Cancer Center (Houston, Texas) und der University of California (Irvine, Kalifornien) – ist Syntropy 2022 im Rahmen eines Pilotprojekts eine weitere Kooperation mit einem großen, vom National Cancer Institute (NCI) ausgewählten medizinischen Lehrzentrum eingegangen.

Athinia™ ging im Dezember 2021 an den Start und richtet sich an die Halbleiterbranche. Es ist das einzige branchenweite, kollaborative Datenökosystem, in dem zahlreiche Unternehmen mithilfe von KI an der Lösung zentraler Herausforderungen arbeiten. Hierzu greifen sie auf Daten zurück, um die Transparenz von Lieferketten und die Qualität und Verlässlichkeit von Materialien zu steigern und die Markteinführungszeit zu verkürzen. Im Juli 2022 wurde als erster Kunde Micron Technology bekannt gegeben, ein globaler Vorreiter bei innovativen Speicher- und Arbeitsspeicherlösungen. Gemeinsam wollen beide Seiten ein völlig neuartiges Ökosystem für die gemeinsame Datennutzung entwickeln. Dieses soll eine Schlüsselrolle spielen, um die kontinuierliche digitale Transformation der zentralen Lieferanten von Micron voranzutreiben.

Forschungs- und Entwicklungskosten

 

 

 

 

 

 

Veränderung

in Mio. €

 

2022

 

2021

 

In Mio. €

 

in %

Life Science

 

399

 

351

 

48

 

13,8 %

Healthcare

 

1.694

 

1.712

 

-18

 

-1,0 %

Electronics

 

308

 

278

 

30

 

11,0 %

Konzernkosten und Sonstiges1

 

119

 

85

 

34

 

39,6 %

Summe

 

2.521

 

2.426

 

95

 

3,9 %

1

Anpassung der Vorjahreszahl aufgrund geänderter funktionaler Zuordnung von Verwaltungs-, Forschungs- und Entwicklungskosten sowie sonstigen betrieblichen Aufwendungen.

Die Forschungsquote betrug, bezogen auf den Konzernumsatz, 11,3 % (Vorjahr: 12,3 %). Der Rückgang ist auf die positive Umsatzentwicklung zurückzuführen.

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