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Operative Vermögenswerte, Schulden und Eventual­verbindlichkeiten

(18) Geschäfts- oder Firmenwerte

Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze
Geschäfts- oder Firmenwerte

Ein Geschäfts- oder Firmenwert wird im Rahmen eines Unternehmenszusammenschlusses als Vermögenswert zum Erwerbszeitpunkt angesetzt. Von dem Wahlrecht zur Bewertung der nicht beherrschenden Anteile zum Erwerbszeitpunkt zu ihrem beizulegenden Zeitwert (Full-Goodwill-Methode) wird kein Gebrauch gemacht.

Methodik der Wertminderungstests

Die Wertminderungstests der Geschäfts- oder Firmenwerte erfolgen auf Ebene der Unternehmensbereiche Life Science, Healthcare und Electronics. Diese Gruppen zahlungsmittelgenerierender Einheiten (ZMGE) stellen die niedrigste Ebene dar, auf der Geschäfts- oder Firmenwerte bei Merck für interne Managementzwecke überwacht werden.

Die Durchführung der Wertminderungstests erfolgt planmäßig einmal jährlich im 3. Quartal sowie anlassbezogen bei Vorliegen von Wertminderungsindikatoren. Die Existenz von Wertminderungsindikatoren kann anhand mehrerer Faktoren, beispielsweise auf der Basis von Veränderungen in den Kurz- und Mittelfristplanungen, Branchenstudien, Analystenprognosen, Multiplikatorbewertungen sowie der durchschnittlichen Marktkapitalisierung von Merck im Vergleich zum bilanziellen Konzerneigenkapital, überwacht werden.

Die Bestimmung des erzielbaren Betrags erfolgte im Berichtsjahr 2022 bei den ZMGE Life Science und Electronics führend auf Basis des beizulegenden Zeitwerts abzüglich Veräußerungskosten (Vorjahr: auf Basis des Nutzungswerts). In der ZMGE Healthcare erfolgte die Ermittlung des erzielbaren Betrags im Berichtsjahr 2022 ebenso wie im Vorjahr auf Basis des Nutzungswerts.

Die Ermittlung des erzielbaren Betrags erfolgt sowohl für den beizulegenden Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten als auch für den Nutzungswert mithilfe der Discounted-Cashflow-Methode (Stufe 3 in der Bewertungshierarchie des IFRS 13).

Im Rahmen der Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts werden die geplanten Nach-Steuer-Cashflows aus der von den Unternehmensbereichen erstellten Mittelfristplanung abgeleitet. Aufgrund umfangreicher Investitionen in den ZMGE Life Science und Electronics wird in diesen beiden ZMGE das vierte Planjahr innerhalb der Detailplanungsperiode unter Berücksichtigung geschäftsspezifischer Annahmen um vier weitere Jahre fortgeschrieben und dann unter Anwendung einer nachhaltigen Wachstumsrate in die ewige Rente überführt (Vorjahr: Übergang in die ewige Rente nach vier Jahren ab dem Folgejahr). In der ZMGE Healthcare erfolgt ein Übergang auf die ewige Rente nach vier Jahren beginnend ab dem Folgejahr. Die Umsatzplanung basiert auf internen Erfahrungswerten aus der Vergangenheit sowie überwiegend nicht am Markt beobachtbaren Inputfaktoren, beispielsweise über zukünftige Marktanteile, Verkaufspreise und -mengen sowie neue Produkte aus der Entwicklungspipeline und Erweiterungsinvestitionen. Ergebnismargen basieren auf Vergangenheitserfahrungen, die um erwartete Profitabilitätsentwicklungen angepasst werden.

Im Rahmen der Ermittlung des Nutzungswerts bildet die Planungsgrundlage die letzte von der Geschäftsleitung genehmigte Mittelfristplanung mit einem Detailplanungszeitraum von vier Jahren beginnend ab dem Folgejahr. Die Umsatzplanung leitet sich aus Erfahrungswerten der Vergangenheit und Annahmen über zukünftige Marktanteile, Verkaufspreise und -mengen ab. Erwartete Zahlungsmittelzu- und -abflüsse neuer Produkte aus der Healthcare Entwicklungspipeline und Erweiterungsinvestitionen werden bei der Ermittlung des Nutzungswerts außer Acht gelassen. Die Ergebnismargen basieren auf Vergangenheitserfahrungen, die um erwartete Profitabilitätsentwicklungen angepasst werden.

Der Diskontierungsfaktor nach Steuern wird auf Basis der nachfolgenden Inputparameter abgeleitet:

Risikoloser Zinssatz

 

Abgeleitet aus der Rendite langlaufender Staatsanleihen

Betafaktor

 

Abgeleitet aus der jeweiligen sektorspezifischen Peergroup

Marktrisikoprämie

 

Auf Basis einer Kombination aus unterschiedlichen Schätzmethoden; beispielsweise historischen und impliziten Aktienrenditen

Fremdkapitalkosten und Kapitalstruktur

 

Abgeleitet aus Marktdaten der jeweiligen Peergroup-Unternehmen

Die langfristige Wachstumsrate nach dem Detailplanungszeitraum wird unter Berücksichtigung des erwarteten langfristigen Wachstums und langfristiger Inflationserwartungen bestimmt.

Wesentliche wertbestimmende Annahmen

In der ZMGE Life Science belief sich das erwartete durchschnittliche Umsatzwachstum im Zeitraum bis zum Übergang in die ewige Rente auf einen höheren einstelligen Prozentsatz (Vorjahr: höherer einstelliger Prozentsatz im Detailplanungszeitraum). Die Umsatzerwartung der ZMGE Life Science stützt sich insbesondere auf die angenommene langfristige positive Entwicklung in den Geschäftseinheiten Process Solutions und Life Science Services, begründet durch ein weiterhin hohes Marktwachstum sowie die andauernde Erweiterung des Portfolios und der Produktionskapazitäten. Die angewandte EBITDA-pre-Marge betrug nach Berücksichtigung anteilig allokierter Konzernkosten rund 34 % (Vorjahr: rund 32 %).

Das erwartete durchschnittliche Umsatzwachstum im Detailplanungszeitraum belief sich in der ZMGE Healthcare auf einen mittleren einstelligen Prozentsatz (Vorjahr: niedriger einstelliger Prozentsatz). Im Einklang mit dem Nutzungswertkonzept waren darin keine Umsatzerlöse aus der Neueinführung von Produkten enthalten.

Bei der Ermittlung des erzielbaren Betrags der ZMGE Electronics belief sich das erwartete durchschnittliche Umsatzwachstum im Zeitraum bis zum Übergang in die ewige Rente auf einen höheren einstelligen Prozentsatz (Vorjahr: mittlerer einstelliger Prozentsatz im Detailplanungszeitraum). Die Umsatzerwartung der ZMGE Electronics ergibt sich insbesondere durch den langfristigen Wachstumstrend im Markt für Halbleitermaterialien sowie positive Umsatzbeiträge des Wachstumsprogramms Level Up mit einem Investitionsvolumen von mehr als 3 Mrd. € bis Ende des Jahres 2025. Die verwendete EBITDA-pre-Marge betrug nach Berücksichtigung anteilig zugeordneter Konzernkosten im Wertminderungstest des Geschäftsjahrs 2022 ebenso wie im Vorjahr rund 30 %.

Nachfolgend sind die weiteren wesentlichen wertbestimmenden Annahmen der Wertminderungstests der Geschäfts- oder Firmenwerte quantifiziert.

 

 

Langfristige Wachstumsrate

 

Gewichtete Kapitalkosten nach Steuern

in %

 

2022

 

2021

 

2022

 

2021

Life Science1

 

2,00 %

 

1,75 %

 

7,5 %

 

5,5 %

Healthcare2

 

0,00 %

 

0,00 %

 

5,6 %

 

5,5 %

Electronics3

 

2,00 %

 

1,00 %

 

7,1 %

 

5,4 %

1

Die gewichteten Kapitalkosten vor Steuern im Rahmen der Ermittlung des Nutzungswerts der ZMGE Life Science beliefen sich im Vorjahr auf 6,7 %.

2

Die gewichteten Kapitalkosten vor Steuern im Rahmen der Ermittlung des Nutzungswerts der ZMGE Healthcare belaufen sich im Geschäftsjahr 2022 auf 7,3 % (Vorjahr 7,4 %).

3

Die gewichteten Kapitalkosten vor Steuern im Rahmen der Ermittlung des Nutzungswerts der ZMGE Electronics beliefen sich im Vorjahr auf 6,7 %.

Die Erhöhung der langfristigen Wachstumsrate resultierte insbesondere aus gestiegenen langfristigen Inflationserwartungen. Zur Diskontierung der Nettozahlungsströme wurden Kapitalkosten nach Steuern zugrunde gelegt. Im Falle der Ermittlung des Nutzungswerts wurden die unter der Tabelle genannten Kapitalkosten vor Steuern iterativ abgeleitet.

Bedeutende Ermessensentscheidungen und Schätzungsunsicherheiten
Geschäfts- oder Firmenwerte

Die Bestimmung des erzielbaren Betrags unterliegt Ermessensspielräumen und bedeutenden Schätzungsunsicherheiten. Annahmen zur Höhe der Nettozahlungsströme, der langfristigen Wachstumsraten sowie der Diskontierungsfaktoren sind aufgrund der ihnen innewohnenden Unsicherheit als wesentliche Quelle von Schätzungsunsicherheiten anzusehen. Obwohl seitens Merck davon ausgegangen wird, dass die zur Berechnung des erzielbaren Betrags verwendeten Annahmen angemessen sind, könnten Veränderungen dieser Annahmen zu Wertminderungsaufwendungen der Geschäfts- oder Firmenwerte führen, die eine nachteilige Auswirkung auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage haben können. Insbesondere in Bezug auf die ZMGE Electronics besteht eine hohe Abhängigkeit von den Annahmen zum langfristigen Wachstumstrend im Markt für Halbleitermaterialien.

Im Zeitpunkt der Durchführung der Wertminderungstests im Geschäftsjahr 2022 lag der erzielbare Betrag ebenso wie im Vorjahr sowohl beim beizulegenden Zeitwert abzüglich Veräußerungskosten als auch beim Nutzungswert um mehr als 15 % über dem Buchwert der jeweiligen ZMGE. Ungeachtet dessen wurden die verwendeten Planungsdaten und erzielbaren Beträge gegen extern verfügbare Analystenplanungen und „Sum-of-the-parts“-Bewertungen verplausibilisiert sowie mittels Multiplikatorbewertungen auf Basis von Peergroup-Informationen validiert.

Im Rahmen der anlassunabhängigen Wertminderungstests wurden zudem Sensitivitätsanalysen der wesentlichen Annahmen vorgenommen. In der nachfolgenden Tabelle ist dargestellt, in welchem Umfang die wesentlichen Annahmen bei isolierter Betrachtung jeweils mindestens hätten verändert werden können, ohne dass es im Rahmen der Wertminderungstests zu einer Wertminderung gekommen wäre:

 

 

Verminderung Nettozahlungsströme

 

Verminderung langfristige Wachstumsrate

 

Erhöhung Kapitalkosten nach Steuern

 

 

in %

 

in Prozentpunkten

 

in Prozentpunkten

 

 

2022

 

2021

 

2022

 

2021

 

2022

 

2021

Life Science

 

>10

 

>10

 

>2

 

>2

 

>2

 

>2

Healthcare

 

>10

 

>10

 

>2

 

>2

 

>2

 

>2

Electronics

 

>10

 

>10

 

>2

 

>2

 

>2

 

>2

Die nachfolgend dargestellten Geschäfts- oder Firmenwerte entstanden vor allem im Rahmen der Akquisitionen der Versum Materials, Inc., USA, der Sigma-Aldrich Corporation, USA, der AZ Electronic Materials S.A., Luxemburg, der Millipore Corporation, USA, und der Serono SA, Schweiz.

 

 

Geschäfts- oder Firmenwerte

in Mio. €

 

Life Science

 

Healthcare

 

Electronics

 

Summe

Restbuchwerte, 1.1.2021

 

10.287

 

1.525

 

4.146

 

15.959

Zugänge

 

 

 

 

Abgänge aus Unternehmensveräußerungen/Umgliederung in zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte

 

 

 

 

Umbuchungen

 

-4

 

 

 

-4

Wertminderungen

 

 

 

 

Währungsumrechnungsdifferenz

 

776

 

 

273

 

1.050

Restbuchwerte, 31.12.2021

 

11.059

 

1.525

 

4.420

 

17.004

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Restbuchwerte, 1.1.2022

 

11.059

 

1.525

 

4.420

 

17.004

Zugänge

 

536

 

 

46

 

582

Abgänge aus Unternehmensveräußerungen/Umgliederung in zur Veräußerung gehaltene Vermögenswerte

 

 

 

 

Umbuchungen

 

 

 

 

Wertminderungen

 

 

 

 

Währungsumrechnungsdifferenz

 

619

 

 

209

 

828

Restbuchwerte, 31.12.2022

 

12.214

 

1.525

 

4.675

 

18.414

Die währungsbedingten Änderungen der Geschäfts- oder Firmenwerte resultierten nahezu ausschließlich aus der Umrechnung der zum überwiegenden Teil in US-Dollar geführten Geschäfts- oder Firmenwerte aus den Akquisitionen der Versum Materials, Inc., USA, der Sigma-Aldrich Corporation, USA, der AZ Electronic Materials S.A., Luxemburg, und der Millipore Corporation, USA.

Aus den durchgeführten Wertminderungstests der Geschäfts- oder Firmenwerte ergab sich weder im Geschäftsjahr 2021 noch im Geschäftsjahr 2022 ein Wertminderungsbedarf.

Die Zugänge im Geschäftsjahr 2022 waren insbesondere auf die Akquisition von Exelead Inc., USA, zurückzuführen (siehe Anmerkung (6) „Akquisitionen und Desinvestitionen“).

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