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Operative Geschäfts­tätigkeit

(15) Ertragsteuern

Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze
Laufende Ertragsteuern

Laufende Ertragsteuern der Berichtsperiode sowie gegebenenfalls für Vorjahre werden mit dem Betrag bemessen, in dessen Höhe eine Zahlung an oder Erstattung durch die Steuerbehörden erwartet wird. Dabei kommt der im jeweiligen Steuerjahr geltende unternehmensspezifische Steuersatz zur Anwendung.

Ungewisse Ertragsteueransprüche und -schulden

Für die Ermittlung ungewisser ertragsteuerlicher Ansprüche und Schulden werden sachverhaltsbezogene Beurteilungen vorgenommen. Ungewisse ertragsteuerliche Sachverhalte werden in Abhängigkeit von der Wahrscheinlichkeit, ob die zuständigen Steuerbehörden die ertragsteuerliche Behandlung akzeptieren werden, berücksichtigt. Wird die Anerkennung eines Sachverhalts durch die Steuerbehörden als unwahrscheinlich beurteilt, erfolgt die Bewertung des jeweiligen ungewissen Ertragsteueranspruchs beziehungsweise der ungewissen Ertragsteuerschuld mit dem wahrscheinlichsten Betrag. Ungewisse Ertragsteuerschulden werden innerhalb der Ertragsteuerverbindlichkeiten ausgewiesen. Im Zusammenhang mit Ertragsteuern stehende erwartete Strafzahlungen und Zinsen, die nicht in den Anwendungsbereich des IAS 12 fallen, werden unter Anwendung des IAS 37 als Rückstellungen behandelt.

Latente Steuern

Aktive latente Steuern auf abzugsfähige temporäre Differenzen, die latente Steuerschulden gegenüber der gleichen Steuerbehörde und für das gleiche Steuersubjekt übersteigen, werden aktiviert, wenn es wahrscheinlich ist, dass zukünftig für deren Nutzung ein zu versteuerndes Ergebnis verfügbar sein wird. Dies entspricht der Vorgehensweise für den Ansatz aktiver latenter Steuern auf noch nicht genutzte Steuergutschriften sowie auf steuerliche Verlust- und Zinsvorträge.

Der Ansatz der aktiven latenten Steuern erfordert eine Einschätzung der Wahrscheinlichkeit der zukünftigen Nutzung. Einflussfaktoren, die im Rahmen dieser Einschätzung Berücksichtigung finden, sind

  • zukünftig zu versteuernde temporäre Differenzen in Bezug auf die gleiche Steuerbehörde und das gleiche Steuersubjekt,
  • die Ergebnishistorie,
  • die Ergebnisplanung sowie
  • die existierende Steuerplanung der jeweiligen Konzerngesellschaft.

Auf geplante Dividendenausschüttungen bereits erwirtschafteter Gewinne von Tochtergesellschaften innerhalb der nächsten zwölf Monate werden passive latente Steuern angesetzt.

Bedeutende Ermessensentscheidungen und Schätzungsunsicherheiten
Ertragsteuern

Die Ermittlung der bilanziell angesetzten Vermögenswerte und Schulden aus laufenden und latenten Ertragsteuern erfordert umfangreiche Ermessensausübungen, Annahmen und Schätzungen.

Bei der Beurteilung der Ertragsteueransprüche und -schulden kann insbesondere die Auslegung von steuerlichen Vorschriften mit Unsicherheiten behaftet sein. Eine abweichende Sichtweise der jeweiligen Finanzbehörden bezüglich der Anwendung und Auslegung von steuerlichen Normen kann nicht ausgeschlossen werden. Geänderte Annahmen über die Auslegung von steuerlichen Normen, beispielsweise aufgrund geänderter Rechtsprechung, werden zum Zeitpunkt der Änderung bilanziell erfasst.

Es bestehen Unsicherheitsgrade für latente Steuern hinsichtlich des Zeitpunkts, zu dem ein Vermögenswert realisiert oder eine Schuld erfüllt wird. Dies betrifft in besonderem Maße latente Steuern, die im Rahmen von Unternehmenserwerben angesetzt werden. Die Einschätzung der Werthaltigkeit, insbesondere von Steuergutschriften und steuerlichen Verlust- und Zinsvorträgen, erfordert Annahmen und Schätzungen in Bezug auf das zukünftig zu versteuernde Einkommen der betreffenden Konzerngesellschaft. Darüber hinaus ist ermessensbehaftet, inwieweit eine geplante Dividendenausschüttung von Tochtergesellschaften innerhalb der nächsten zwölf Monate wahrscheinlich ist.

Die Ertragsteuern in der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung teilten sich wie folgt auf:

in Mio. €

 

2022

 

2021

Laufende Ertragsteuern der Periode

 

-1.344

 

-1.078

Periodenfremde Ertragsteuern

 

28

 

45

Latente Ertragsteuern

 

369

 

174

Davon: aus temporären Differenzen

 

338

 

206

Davon: aus Steuersatzänderungen

 

12

 

-23

Davon: aus steuerlichen Verlustvorträgen

 

19

 

-9

Ertragsteuern

 

-948

 

-859

Steuerliche Überleitungsrechnung

In der nachstehenden Tabelle wird vom theoretischen Ertragsteueraufwand auf die Ertragsteuern gemäß Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung übergeleitet. Der theoretische Ertragsteueraufwand ergab sich aus der Anwendung des Steuersatzes einer Kapitalgesellschaft mit Sitz in Darmstadt in Höhe von 31,7 % (Vorjahr: 31,7 %).

in Mio. €

 

2022

 

2021

Ergebnis vor Ertragsteuern

 

4.287

 

3.924

 

 

 

 

 

Steuersatz Kapitalgesellschaft

 

31,7 %

 

31,7 %

Theoretischer Ertragsteueraufwand

 

-1.360

 

-1.245

Steuersatzdifferenzen

 

568

 

424

Steuereffekte von Gesellschaften mit negativem Konzernbeitrag

 

-71

 

-33

Periodenfremde Ertragsteuern

 

28

 

45

Steueranrechnungen

 

-79

 

-30

Steuereffekte auf Verlustvorträge

 

14

 

29

Steuereffekte durch nicht abzugsfähige Aufwendungen/steuerfreie Erträge/sonstige Steuereffekte

 

-48

 

-49

Ertragsteuern gemäß Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung

 

-948

 

-859

 

 

 

 

 

Steuerquote gemäß Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung

 

22,1 %

 

21,9 %

Die Ertragsteuern beinhalteten die Körperschaft- und Gewerbesteuer der inländischen Gesellschaften sowie vergleichbare Ertragsteuern ausländischer Gesellschaften. Die periodenfremden Ertragsteuern im Geschäftsjahr 2022 resultierten insbesondere aus abgeschlossenen Betriebsprüfungen, aus Veränderungen von Ertragsteuerverbindlichkeiten für Risiken aus Betriebsprüfungen und Steuerfestsetzungen für Vorjahre.

Latente Steuern gemäß Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung

Die Überleitung der latenten Steuern in der Konzernbilanz und der latenten Steuern in der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung stellte sich wie folgt dar:

in Mio. €

 

2022

 

2021

Veränderung aktiver latenter Steuern gemäß Konzernbilanz

 

-193

 

-40

Veränderung passiver latenter Steuern gemäß Konzernbilanz

 

133

 

30

Veränderung erfolgsneutral gebildeter aktiver/passiver latenter Steuern

 

305

 

119

Konsolidierungskreisänderungen/Wechselkursänderungen/sonstige Veränderungen

 

124

 

66

Latente Steuern gemäß Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung

 

369

 

174

Die Position Konsolidierungskreisänderungen/Wechselkursänderungen/sonstige Veränderungen beinhaltete wie im Vorjahr hauptsächlich Wechselkurseffekte aus der Umrechnung von in US-Dollar bilanzierten Posten in die Berichtswährung Euro. Zudem ergaben sich im Geschäftsjahr 2022 latente Steuern aus der Akquisition der Exelead Inc., USA.

Entwicklung der Verlustvorträge

Die Verlustvorträge gliederten sich wie nachstehend aufgeführt:

 

 

31.12.2022

 

31.12.20211

in Mio. €

 

Deutschland

 

Ausland

 

Summe

 

Deutschland

 

Ausland

 

Summe

Verlustvorträge

 

321

 

677

 

998

 

136

 

683

 

819

Bestand an Verlustvorträgen, für die aktive latente Steuern gebildet wurden

 

 

136

 

136

 

2

 

60

 

62

Bestand an Verlustvorträgen, für die keine aktiven latenten Steuern gebildet wurden

 

321

 

541

 

862

 

134

 

623

 

757

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Potenzielle aktive latente Steuern
auf Verlustvorträge

 

98

 

165

 

263

 

41

 

166

 

207

Angesetzte aktive latente Steuern auf Verlustvorträge

 

 

30

 

30

 

 

11

 

11

Nicht angesetzte aktive latente Steuern auf Verlustvorträge

 

98

 

135

 

233

 

41

 

155

 

196

1

Die das Ausland betreffenden Vorjahresangaben wurden angepasst.

Der überwiegende Teil der Verlustvorträge war entweder zeitlich unbegrenzt oder bis zu 20 Jahre nutzbar.

Aktive latente Steuern auf steuerliche Verlustvorträge, die latente Steuerschulden gegenüber der gleichen Steuerbehörde und für das gleiche Steuersubjekt übersteigen, werden nicht aktiviert, wenn es nicht wahrscheinlich ist, dass zukünftig für deren Nutzung ein zu versteuerndes Ergebnis verfügbar sein wird.

Latente Steuern gemäß Konzernbilanz

Die latenten Steueransprüche und Steuerschulden entfielen auf folgende Bilanzposten:

 

 

31.12.2022

 

31.12.2021

in Mio. €

 

Aktiva

 

Passiva

 

Aktiva

 

Passiva

Immaterielle Vermögenswerte

 

112

 

1.365

 

99

 

1.527

Sachanlagen

 

39

 

168

 

35

 

103

Finanzielle Vermögenswerte

 

 

32

 

1

 

7

Vorräte

 

846

 

23

 

757

 

20

Forderungen/sonstige Vermögenswerte

 

66

 

15

 

90

 

9

Rückstellungen

 

526

 

51

 

859

 

57

Verbindlichkeiten

 

170

 

49

 

85

 

68

Steuerliche Verlustvorträge

 

30

 

 

11

 

Steueranrechnungen/Sonstiges

 

41

 

96

 

42

 

99

Latente Steuern (vor Saldierung)

 

1.829

 

1.798

 

1.980

 

1.889

Saldierung aktiver und passiver latenter Steuern

 

-520

 

-520

 

-478

 

-478

Latente Steuern gemäß Konzernbilanz

 

1.310

 

1.279

 

1.502

 

1.411

Der Rückgang der latenten Steuern gemäß Konzernbilanz resultierte insbesondere aus geringeren abzugsfähigen temporären Differenzen, die sich aus der erfolgsneutralen Neubewertung der Nettoverpflichtung aus leistungsorientierten Pensionszusagen ergaben. Dieser Effekt wurde teilweise durch gestiegene latente Steueransprüche, die aus höheren temporären Differenzen aus der Eliminierung konzerninterner Zwischengewinne hervorgehen, kompensiert.

Für angesetzte aktive latente Steuern in Höhe von 191 Mio. € (31. Dezember 2021: 82 Mio. €), die latente Steuerschulden in Bezug auf die gleiche Steuerbehörde und das gleiche Steuersubjekt überstiegen, wurde aufgrund von positiven Ergebnisprognosen von einer wahrscheinlichen Realisierbarkeit ausgegangen, obwohl in der laufenden Periode oder der Vorperiode ein Verlust vorlag.

Für abzugsfähige temporäre Differenzen in Höhe von 71 Mio. € (31. Dezember 2021: 57 Mio. €) wurde in der Bilanz kein latenter Steueranspruch angesetzt.

Für steuerliche Mehr- und Minderbelastungen aufgrund von geplanten Dividendenausschüttungen (Outside Basis Differences) wurden latente Steuerschulden von insgesamt 79 Mio. € (31. Dezember 2021: 93 Mio. €) erfasst. Thesaurierte Gewinne der Tochtergesellschaften, für die keine latenten Steuern angesetzt wurden, beliefen sich zum 31. Dezember 2022 auf 10.249 Mio. € (31. Dezember 2021: 8.553 Mio. €). Die daraus ermittelten, in künftigen Perioden im Fall von Dividendenausschüttungen zu versteuernden temporären Unterschiede würden zum 31. Dezember 2022 582 Mio. € (31. Dezember 2021: 476 Mio. €) betragen.

Ertragsteuererstattungsansprüche und Ertragsteuerverbindlichkeiten

Ertragsteuererstattungsansprüche bestanden zum 31. Dezember 2022 in Höhe von 456 Mio. € (31. Dezember 2021: 502 Mio. €) und resultierten vor allem aus Steuervorauszahlungen, die über der tatsächlichen Steuerschuld für das abgelaufene Geschäftsjahr und früherer Geschäftsjahre lagen, aus Ertragsteuererstattungsansprüchen für Vorjahre sowie aus anrechenbaren Quellensteuern. Die Ertragsteuerverbindlichkeiten einschließlich der Verbindlichkeiten für ungewisse Steuerverpflichtungen beliefen sich zum 31. Dezember 2022 insgesamt auf 1.522 Mio. € (31. Dezember 2021: 1.462 Mio. €).

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