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(3) Ermessensentscheidungen und Schätzungsunsicherheiten

Umgang mit Ermessensentscheidungen und Schätzungsunsicherheiten

Die Aufstellung des Konzernabschlusses macht es erforderlich, in bestimmtem Umfang Ermessensentscheidungen über anzuwendende Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden zu treffen sowie Schätzungen vorzunehmen. Die Einschätzung des Ermessensspielraums beziehungsweise der Schätzungsunsicherheit erfolgt Merck-spezifisch. Ermessen bezeichnet die Notwendigkeit, bei der Anwendung von Rechnungslegungsmethoden Annahmen bezüglich des Ansatzes oder der Bewertung zu treffen. Schätzungsunsicherheiten bestehen bei der Auswahl anzuwendender Bewertungsverfahren sowie der darin zu verwendenden Inputfaktoren. In Abhängigkeit von der Verfügbarkeit und Verlässlichkeit von Inputfaktoren kann der Grad der Schätzungsunsicherheit stark variieren.

Erhöhter Unsicherheitsgrad aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Lage

Aufgrund der hohen Dynamik des gesamtwirtschaftlichen Umfelds ist der Unsicherheitsgrad bei der Erstellung des Konzernabschlusses deutlich höher, als dies in der Vergangenheit üblicherweise der Fall war. Unsicherheitsfaktoren ergaben sich insbesondere aufgrund der Inflationsentwicklung, der Entwicklung des Zinsniveaus, der geopolitischen Herausforderungen sowie durch Handelsbeschränkungen und Sanktionen. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Werthaltigkeit nicht finanzieller Vermögenswerte. Auf der Grundlage des aktuellen Kenntnisstands ergaben sich bislang keine Anzeichen für wesentliche Wertminderungen. Ferner ergaben sich wie in Vorjahren keine Hinweise, dass bei der Aufstellung des Konzernabschlusses vom Grundsatz der Unternehmensfortführung abzuweichen gewesen wäre.

Auswirkungen des gestiegenen Preisniveaus

Das gestiegene Preisniveau führte zu einem Anstieg der Beschaffungskosten, insbesondere für Logistikleistungen, Materialien sowie für Energie (siehe Anmerkungen (10) „Umsatzkosten“ sowie (11) „Marketing- und Vertriebskosten“). Die Aufwendungen für den Bezug von Erdgas und Strom beliefen sich für den Konzern im Geschäftsjahr 2022 ebenso wie im Vorjahr auf einen niedrigen dreistelligen Millionen-Eurobetrag. Der Anstieg der Beschaffungskosten führte zu einem Anstieg des Buchwerts der Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie der unfertigen Erzeugnisse innerhalb des Vorratsvermögens. Merck hat zur Kompensation der erhöhten Beschaffungskosten Preiserhöhungen vorgenommen. Eine Weitergabe von Preissteigerungen ist in den Unternehmensbereichen Life Science und Electronics im Regelfall besser möglich, als im preisregulierten Umfeld des Unternehmensbereichs Healthcare. Ferner wurden vor dem Hintergrund der Inflationsentwicklung die Annahmen zu den langfristigen Gehalts- und Rententrends für die Ermittlung der Pensionsverpflichtungen überprüft und angepasst. Daraus ergab sich im Rahmen der Bewertung der leistungsorientierten Pensionspläne ein Anstieg der Leistungsverpflichtung (siehe Anmerkung (33) „Rückstellungen für Leistungen an Arbeitnehmer“).

Auswirkungen des gestiegenen Zinsniveaus

Das gestiegene Zinsniveau wirkte sich insbesondere auf die Bewertung von Rückstellungen für leistungsorientierte Pensionspläne (siehe Anmerkung (33) „Rückstellungen für Leistungen an Arbeitnehmer“) sowie sonstige langfristige Rückstellungen (siehe Anmerkung (27) „Sonstige Rückstellungen“) aus und führte zu deutlichen Reduktionen der Verpflichtungsbeträge.

Der Anstieg des Zinsniveaus führte ferner zu einem Anstieg der Diskontierungssätze, die bei der Durchführung von Wertminderungstests und der Bestimmung der beizulegenden Zeitwerte von finanziellen und nicht finanziellen Vermögenswerten verwendet wurden (siehe hierzu insbesondere Anmerkung (18) „Geschäfts- oder Firmenwerte“ und Anmerkung (43) „Angaben zur Bewertung zum beizulegenden Zeitwert“).

Direkte Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine

Aus dem Krieg in der Ukraine ergaben sich aufgrund des begrenzten Geschäftsvolumens in Russland, der Ukraine, Belarus und der Republik Moldau bislang keine wesentlichen unmittelbaren Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Merck-Konzerns. Der Anteil der Konzernumsatzerlöse in den genannten Ländern belief sich im Berichtszeitraum ebenso wie im Vorjahr auf unter 1,5 %. Diese Umsatzerlöse wurden nahezu ausschließlich im Unternehmensbereich Healthcare sowie im Unternehmensbereich Life Science im Rahmen der Sicherstellung der medizinischen Versorgung erzielt. Außer in Russland gibt es keine Tochtergesellschaften in dieser Region. Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gegenüber Kunden in Russland, der Ukraine, Belarus und der Republik Moldau sind in Teilen durch Kreditversicherungen abgesichert. Das Zahlungsverhalten der Kunden in der betreffenden Region wird sehr eng überwacht. Zum 31. Dezember 2022 bestanden keine Wertberichtigungen in nennenswertem Umfang. Sowohl lokale Zahlungen an Kunden und Mitarbeiter in Russland als auch die internationale Zahlungsabwicklung mit Russland konnten bislang ohne Einschränkungen gewährleistet werden.

Auswirkungen durch Handelsbeschränkungen und Sanktionen sowie Lieferkettenengpässe

Zur Verringerung von Risiken aus Lieferkettenunterbrechungen wurden teilweise die Vorratsbestände erhöht. Dies geht mit einem gestiegenen Risiko eines späteren Wertminderungsbedarfs einher, sofern diese Bestände nicht weiterverarbeitet oder abgesetzt werden können. Ferner wurden die Auswirkungen der im 4. Quartal 2022 verabschiedeten Handelsbeschränkungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und China im Bereich von Halbleitermaterialien auf die Werthaltigkeit von potenziell betroffenen Vermögenswerten analysiert. Sie führten bislang nicht zu Wertminderungsbedarf. Allerdings besteht ein hoher Unsicherheitsgrad bezüglich der weiteren Entwicklung.

Erhöhter Unsicherheitsgrad aufgrund von Klimarisiken

Als global agierender Wissenschafts- und Technologiekonzern ist Merck transitorischen und physischen klimabezogenen Risiken ausgesetzt, die sich potenziell negativ auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns auswirken können und zu einer erhöhten Schätzungsunsicherheit im Rahmen der Bilanzierung beitragen.

Physische Klimarisiken sind diejenigen Risiken, die aus längerfristigen Verschiebungen in den allgemeinen klimatischen Bedingungen resultieren können. Zur Erhebung des physischen Klimarisikoexposures werden wesentliche Standorte des Merck-Konzerns im Rahmen eines Projekts zur Implementierung der Empfehlungen der „Task Force on Climate-Related Financial Disclosures“ (TCFD) einer strukturierten Klimarisikoanalyse unterzogen. Hierbei werden die langfristigen Auswirkungen verschiedener Erwärmungsszenarien auf die untersuchten Standorte simuliert. Drohende finanzielle Auswirkungen aus klimabedingten Naturereignissen wie Überschwemmungen, Starkregen oder Wirbelstürmen sind in angemessenem Umfang durch Versicherungen abgedeckt. Auf Basis des gegenwärtigen Kenntnisstands ergeben sich derzeit keine direkten bilanziellen Auswirkungen aus physischen Klimarisiken.

Transitorische Klimarisiken beschreiben die Auswirkungen, die aufgrund des Wandels hin zu einem nachhaltigeren Wirtschaftssystem für Unternehmen resultieren können. Merck hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 die direkten (Scope 1) und indirekten (Scope 2) Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Basisjahr 2020 um 50 % zu reduzieren. Dieses Ziel soll durch die Reduktion von prozessbedingten Emissionen, durch Energieeffizienzmaßnahmen sowie durch den verstärkten Zukauf von Strom aus erneuerbaren Quellen erreicht werden (siehe hierzu die Ausführungen in Anmerkung (42) „Management von Finanzrisiken“ zu einem virtuellen Strombezugsvertrag mit einem Windenergie-Projektentwickler in den USA). Darüber hinaus plant Merck, die indirekten Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette (Scope 3) über die Rate aus Kilotonnen CO2-Äquivalenten pro Euro Bruttoergebnis bis 2030 um 52 % zu reduzieren und bis zum Jahr 2040 einen klimaneutralen Geschäftsbetrieb entlang der gesamten Wertschöpfungskette (Scope 1–3) zu erreichen. Im April 2022 bestätigte die Science Based Target Initiative, dass die Ziele für 2030 und die erforderlichen Maßnahmen die Ambition der Science Based Targets Initiative und des Pariser Klimaabkommens unterstützen, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken.

Die größten transitorischen klimabezogenen Risiken für die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage bestehen im Unternehmensbereich Electronics, der deutlich mehr als die Hälfte der direkten (Scope 1) und indirekten (Scope 2) Treibhausgasemissionen des Konzerns verursacht. Ein Großteil der Treibhausgasemissionen entsteht in diesem Unternehmensbereich prozessbedingt im Rahmen der Herstellung von Spezialgasen für die Halbleiter- beziehungsweise Elektronikindustrie. Zur Erreichung der selbst gesteckten Klimaziele des Konzerns soll beim Geschäft mit diesen Spezialgasen eine Emissionsreduktion insbesondere durch technologische Verbesserungen im Produktionsprozess erzielt werden. Auf der Grundlage des aktuellen Kenntnisstands werden keine wesentlichen Umsatzrückgänge infolge der Umsetzung der Merck-Nachhaltigkeitsstrategie für dieses Geschäft erwartet und es ergaben sich bislang weder Anzeichen für Wertminderungsbedarf noch das Erfordernis zur Anpassung von Restnutzungsdauern der betreffenden Vermögenswerte.

Übersicht bedeutender Ermessensentscheidungen und Schätzungsunsicherheiten

Nachfolgend sind die Bilanzierungssachverhalte mit den bedeutendsten Ermessensentscheidungen sowie den umfangreichsten zukunftsbezogenen Annahmen und Quellen von Schätzungsunsicherheiten dargestellt:

Bilanzierungssachverhalt

 

Buchwert zum 31.12.2022
in Mio. €

 

IFRS

 

Ermessens­spielraum/
Schätzungs­unsicherheit

 

Sensitivitäts­analyse

 

Konzernanhang

Geschäfts- oder Firmenwerte

 

18.415

 

 

 

 

 

ja

 

18

Bestimmung des erzielbaren Betrags

 

 

 

IAS 36

 

hoch

 

 

 

 

Sonstige immaterielle Vermögenswerte

 

7.302

 

 

 

 

 

ja

 

6,19

Identifikation und Bewertung von immateriellen Vermögenswerten im Rahmen von Unternehmenserwerben

 

 

 

IFRS 3

 

hoch

 

 

 

 

Einlizenzierungen immaterieller Vermögenswerte

 

 

IAS 38

 

mittel

 

 

 

Bestimmung der Nutzungsdauer

 

 

IAS 38

 

mittel

 

 

 

Identifikation von Wertminderungs- oder Wertaufholungsbedarf

 

 

IAS 36

 

hoch

 

 

 

Sachanlagen

 

8.203

 

 

 

 

 

nein

 

20

Bestimmung der Nutzungsdauer und des Restwerts

 

 

 

IAS 16

 

mittel

 

 

 

 

Identifikation von Wertminderungs- oder Wertaufholungsbedarf

 

 

IAS 36

 

mittel

 

 

 

Leasingverhältnisse

 

481

 

 

 

 

 

ja

 

21

Ansatz und Bewertung von Leasingverhältnissen

 

 

 

IFRS 16

 

mittel

 

 

 

 

Vorräte

 

4.632

 

 

 

 

 

nein

 

24

Identifikation von Wertminderungs- oder Wertaufholungsbedarf

 

 

 

IAS 2

 

mittel

 

 

 

 

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen und sonstige Forderungen

 

4.141

 

 

 

 

 

nein

 

25,42

Bestimmung der Wertminderungshöhe

 

 

 

IFRS 9

 

mittel

 

 

 

 

Sonstige finanzielle Vermögenswerte

 

 

 

 

 

 

ja

 

36,43

Bestimmung des beizulegenden Zeitwerts bedingter Gegenleistungen

 

250

 

IFRS 13

 

hoch

 

 

 

 

Bestimmung des beizulegenden Zeitwerts von Eigenkapitalinstrumenten

 

516

 

IFRS 9, IFRS 13

 

mittel

 

 

 

Rückstellungen für Leistungen an Arbeitnehmer

 

 

 

 

 

 

 

ja

 

33

Bestimmung der Bewertungsparameter zur Ermittlung des Verpflichtungsbarwerts von definierten Leistungsverpflichtungen

 

4.287

 

IAS 19

 

mittel

 

 

 

 

Bestimmung des beizulegenden Zeitwerts anteilsbasierter Vergütungsprogramme

 

254

 

IFRS 2

 

mittel

 

 

 

Sonstige Rückstellungen und Eventualverbindlichkeiten

 

672

 

 

 

 

 

nein

 

27,28

Ansatz und Bewertung von sonstigen Rückstellungen und Eventualverbindlichkeiten

 

 

 

IAS 37

 

hoch

 

 

 

 

Ertragsrealisierung

 

 

 

 

 

 

ja

 

9

Bewertung von Erlösminderungen und Rückerstattungsverbindlichkeiten

 

912

 

IFRS 15

 

hoch

 

 

 

 

Ertragsteuern

 

 

 

 

 

 

 

nein

 

15

Ansatz und Bewertung von Ertragsteuerverbindlichkeiten

 

1.522

 

IAS 12

 

hoch

 

 

 

 

Ansatz und Bewertung von latenten Steuern auf temporäre Differenzen

 

 

 

IAS 12

 

mittel

 

 

 

 

Ansatz aktiver latenter Steuern auf Verlustvorträge

 

30

 

IAS 12

 

hoch

 

 

 

 

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