Merck Geschäftsbericht 2021

Bioethik

Unser Ziel ist es, Forschung in ethisch verantwortungsvoller Weise durchzuführen. Wir entwickeln Leitlinien, auf deren Basis wir fundierte Entscheidungen treffen können, die höchsten ethischen Standards entsprechen. Der Nutzen für die Patienten und ihr Wohlergehen stehen bei uns stets an erster Stelle. Das gilt gleichermaßen für klinische Studien und für die Behandlung mit unseren Arzneimitteln; auch betrifft es die Bereitstellung unserer Produkte für akademische Forschungszwecke oder für die biopharmazeutische Industrie. Bei kontroversen Themen wägen wir unsere Positionen sorgfältig ab.

Rollen und Verantwortlichkeiten

Rund zehn Jahre lang gab das von der Geschäftsleitung eingesetzte Merck Bioethics Advisory Panel (MBAP) Ratschläge zu bioethischen Fragestellungen. Um künftig ein breiteres Themenspektrum zu behandeln, wandelten wir es im Mai 2021 in das Merck Ethics Advisory Panel for Science and Technology (MEAP) um. Das neue Gremium spricht klare Empfehlungen zu wissenschafts- und technikethischen Themen und Fragestellungen aus, die auch über die reine Bioethik hinaus gehen. Die Empfehlungen dienen als Richtschnur für unser Verhalten und unsere wirtschaftlichen Aktivitäten. Zwei unserer führenden wissenschaftlichen Experten aus dem Senior Management leiten gemeinsam das MEAP. Neben renommierten, internationalen Spezialisten aus den Gebieten der Bioethik, Theologie, Rechtswissenschaft und den Naturwissenschaften gehören ihm nun auch Fachleute aus den Bereichen Technik und Nachhaltigkeit an.

Das MEAP tagt mehrmals jährlich und kann bei dringenden ethischen Fragestellungen auch kurzfristig einberufen werden. Zusammenfassende Protokolle der Sitzungen sind in unserem Intranet abrufbar, ebenso wie die ausgesprochenen Empfehlungen. Unsere Mitarbeiter können Themen für die Diskussion beim MEAP einreichen. Darüber hinaus stehen ihnen bei ethischen Bedenken unsere Compliance-Hotline und unser Bioethik-Team zur Seite.

Unter dem Dach des MEAP arbeiten unsere Gremien zu Genomeditierung und Stammzellenforschung. Zu themenspezifischen Fragen sprechen sie Empfehlungen aus, die auf unseren Richtlinien basieren. Unser Stem Cell Research Oversight Committee (SCROC) überprüft alle internen Forschungsvorhaben, bei denen wir humane Stammzellen einsetzen. Es gewährleistet, dass sowohl rechtliche Vorgaben als auch unsere ethischen Leitlinien eingehalten werden. Das betrifft auch gemeinsame Projekte mit externen Partnern.

Wozu wir uns bekennen: Richtlinien und Standards

Unsere Richtlinie zur Genomeditierung („Genome Editing Principle“) gibt unseren Mitarbeitern einen verbindlichen ethischen und operativen Rahmen vor. Weitere Richtlinien, die unseren Ansatz für ethische Forschungs- und Geschäftstätigkeiten regeln, ergänzen sie. Unsere Richtlinie zur Nutzung von Stammzellen (Stem Cell Principle) legt die ethischen Grenzen fest, innerhalb derer wir menschliche Stammzellen in unserer Forschung einsetzen. Unsere Richtlinie zur Fruchtbarkeitsforschung (Fertility Principle), dient als Leitschnur für unsere Forschung zu Fruchtbarkeitsbehandlung und In-vitro-Fertilisation.

Nutzung von Technologien zur Genomeditierung

Mit CRISPR/Cas eröffnen sich neue Wege in der gentechnischen Forschung. Diese könnten große Fortschritte bewirken – entweder bei der Behandlung schwerer Krankheiten oder bei der „grünen Gentechnik“, also der Anwendung genomverändernder Verfahren in der Pflanzenzüchtung. Die Gesetze verschiedener Länder lassen unterschiedlich große Spielräume für die Anwendung dieser Methode zu. In der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskussion entwickeln sich seit Jahren bioethische Ansichten zur Keimbahnveränderung (Germline Editing, GE). Unsere Position zur Veränderung der menschlichen Keimbahn lautet wie folgt:

„Im Einklang mit dem Embryonenschutzgesetz wird die Anwendung der Genomeditierung bei menschlichen Embryos von Merck ebenso wenig unterstützt wie die klinische Anwendung von Keimbahneingriffen beim Menschen. Merck erkennt an, dass eine verantwortungsbewusst durchgeführte Forschung auf diesem Gebiet wertvoll sein kann.“

Stammzellenforschung

Derzeit beteiligen wir uns nicht an klinischen Studien, die menschliche embryonale Stammzellen oder geklonte menschliche Zellen zur Behandlung von Krankheiten einsetzen. Ebenso wenig verfolgen wir selbst derartige Ansätze. In unserer Forschung kommen menschliche embryonale Stammzellen aber durchaus zum Einsatz. Außerdem bieten wir unseren Kunden einige ausgewählte Stammzelllinien an. In beiden Bereichen erlauben wir den Einsatz menschlicher embryonaler Stammzellen aber nur dann, wenn klar definierte Bedingungen erfüllt sind. So verwenden wir Stammzellen nur dann für Forschungszwecke, wenn unser Stem Cell Research Oversight Comittee (SCROC) das jeweilige Projekt geprüft und genehmigt hat. Wir verwenden ausschließlich Zelllinien, die erstens vom United States National Institutes of Health (NIH) zugelassen, zweitens nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz erlaubt und drittens nach dem deutschen Stammzellgesetz zulässig sind. Auf seiner Sitzung im Oktober 2021 überarbeitete das SCROC das Stem Cell Principle, um die 2021 neu erschienenen Guidelines der ISSCR (International Society for Stem Cell Research) zu berücksichtigen.

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