Die biotechnologische und biomedizinische Forschung hat in den letzten Jahrzehnten eine rasante Entwicklung genommen. Die Bioethik befasst sich mit den Auswirkungen und Einflüssen eben dieser Entwicklungen auf den einzelnen Menschen bzw. die Gesellschaft. Insbesondere die Gentechnologie und Methoden der reproduktiven Medizin sind in ethischer und moralischer Hinsicht Gegenstand der öffentlichen Diskussion.
Merck wendet seit den 1980er-Jahren Gentechnologie in der medizinischen Forschung an. Die großen Fortschritte, die bei der Behandlung einer Reihe von schweren Krankheiten in den letzten Jahren gemacht wurden, wären ohne die Gentechnik – das Fundament der Biotechnologie – nicht
möglich gewesen. Heute werden viele der wichtigsten Arzneimittel des Unternehmens mit Hilfe dieser Technologie hergestellt.
2010 erwirtschaftete Merck Serono mit den fünf umsatzstärksten Biopharmazeutika 61 % der Umsatzerlöse. In der medizinischen Biotechnologie hat Merck Forschungsstandorte in Darmstadt, Genf und Boston. Um die in Europa führende Position auszubauen, errichtet Merck im schweizerischen Corsier-sur-Vevey derzeit die modernste Biotech-Produktionsanlage Europas.
In der Chemie-Forschung in Darmstadt werden genetisch veränderte Organismen auch als Werkzeuge benutzt, um komplexe Moleküle herzustellen. Diese werden ausschließlich in einer speziellen Sicherheitszone produziert, die dem Gesetz zur Regelung der Gentechnik (GenTG) entspricht. Allerdings sind die gentechnisch veränderten Organismen nicht Teil eines Endprodukts, da sie während des Reinigungsverfahrens deaktiviert und als biologischer Abfall entsorgt werden.
Alle biotechnologischen Aktivitäten bei Merck unterliegen weltweit strengen gesetzlichen Vorschriften, deren Einhaltung durch Beauftragte für biologische Sicherheit überwacht wird. Wir halten uns bei unserer Arbeit in diesem Bereich an klar vorgegebene Grenzen, welche sich zum einen aus unserem Respekt vor dem Leben und der Würde des Menschen und zum anderen aus gesetzlichen Anforderungen und Beschränkungen ergeben. Gentechnische Eingriffe in die menschliche Keimbahn und das reproduktive Klonen menschlicher Embryonen lehnt Merck streng ab und ist daher auf diesen Forschungsgebieten nicht aktiv. Seine Position insbesondere bei der Stammzell- und Fruchtbarkeitsforschung hat Merck 2010 in zwei Leitlinien bekräftigt, die von der Geschäftsleitung verabschiedet wurden („Merck Stem Cell Policy“, „Merck Fertility Research Policy“). Die Leitlinien legen fest, wie Merck forscht, entwickelt, Geschäfte macht und welche Grenzen dabei gelten. Sie schaffen so die Balance zwischen ethischen und rechtlichen Fragestellungen, dem Nutzen und den Risiken. Um sicherzustellen, dass Merck die hohen selbstdefinierten Standards erfüllt, richten wir 2011 ein „Merck Bioethics Advisory Board“ ein, welches in bioethischen Fragen beratend tätig wird. In der öffentlichen Diskussion setzt sich Merck für eine Stammzellforschung innerhalb klar definierter ethischer und rechtlicher Grenzen ein, da diese einen großen Nutzen für die menschliche Gesundheit und die Steigerung der Lebensqualität von Menschen haben kann.